Der in letzter Minute "gerettete" steirische Games Publisher JoWooD will 2003 wieder durchstarten. Nach der erfolgreich platzierten Kapitalerhöhung und einem weitreichenden Restrukturierungsplan soll im Geschäftsjahr 2003 wieder ein positives EBIT erzielt werden, so CFO Michael Pistauer am Dienstag vor Journalisten. Wesentliche Einschneidungen wird es in den Bereichen Spieleentwicklung, Vertrieb und Organisation der Gruppe geben. Auch die derzeit noch elf Standorte werden auf zwei reduziert. Die Belegschaft wird bzw. wurde halbiert. "JoWooD muss es jetzt schaffen. Eine weitere Chance wird es nicht geben", meinte CEO Andreas Tobler.

"Fast alles selber gemacht"

Im Detail sieht das Restrukturierungsprogramm eine Konzentration auf das Kerngeschäft von JoWooD vor. "Wir haben bisher von der Entwicklung über die Produktion, Marketing und Distribution fast alles selber gemacht. Das wird sich jetzt ändern", meinte der Finanzvorstand. Im Bereich der Spieleentwicklung werde man sich künftig auf so genannte A-Titel konzentrieren. Diese Spiele mit Top-10-Potenzial zeichnen sich durch eine hohe Nachfrage, stabile Preise und einen moderaten Wettbewerb aus. "Billigspiele" der Kategorie C werden ersatzlos gestrichen. 2003 plant JoWooD 14 neue Titel herauszubringen, davon zwölf A-Titel. Ein weiterer Kern der Restrukturierung ist die Neuausrichtung des Vertriebes. Man werde künftig verstärkt auf Lizenzen und Partnerschaften setzen. Das Hauptproblem sei dabei der nicht-deutschprachige Markt, der besser bedient werden soll. So genannte "Royalty Agreements", in denen potenzielle Partner bereits die Entwicklung und die Produktion mitfinanzieren. Zusätzlich will man nicht mehr auf einen Partner, sondern gezielt nach Länderkompetenz auf verschiedene Partner setzen.

Bremse

Die zum Teil exzessive Expansion der vergangenen Jahre will JoWooD wieder einbremsen. Der Fokus werde auf zwei Standorte in Deutschland und Österreich gelegt, wobei die Verwaltung in Österreich konzentriert wird. Mehr könne und wolle sich das Unternehmen derzeit nicht leisten. "Wo genau diese angesiedelt sein werden, steht noch nicht fest", so Pistauer. Dadurch werde man künftig auch mit weit weniger Personal auskommen müssen. 120 Mitarbeiter, rund die Hälfte der Belegschaft, wurden bereits gekündigt.

Agreement

Neben der jüngst abgeschlossenen Kapitalerhöhung in der Höhe von drei Mio. Euro konnte auch mit den Banken, vornehmlich der Bank Austria Creditanstalt, ein Agreement unterzeichnet werden, wodurch die Fortfinanzierung gesichert ist. Einerseits kam es zu "deutlichen passivseitigen Erleichterungen", sprich einem Forderungsverzicht der Banken, zum anderen wurde ein Zinsunterstützungs- bzw. Tilgungsverbesserungsprogramm ausgearbeitet. "Dadurch sind die Liquidität und das Eigenkapital für 2003 gesichert", so Pistauer. Der neue gleichberechtigte Dreiervorstand (Tobler, Pistauer und Ex-Ravensburger-Interactive-Chef Thomas Kirchenkamp) sei zusätzlich ein Signal an Investoren, um Vertrauen zu schaffen. (pte)