Wien - Ab dem zweiten Quartal dieses Jahres werden Handykäufer neben der Frage, ob sie GPRS, Bluetooth, Infrarot, WAP, Triband, MMS oder E-Mails benötigen, auch noch UMTS in ihre Überlegungen einbeziehen müssen. Ab dann stehen die ersten Geräte der neuen, dritten Handygeneration (3G) mit dem neuen Weltstandard UMTS zur Verfügung. Den Vorteilen einer schnellen Datenübertragung und großen Farbbildschirmen steht vorerst eine Menge Nachteile gegenüber: Die Geräte sind groß, schwer und teuer, die Akkus recht schnell leer und die Gesprächsgebühren vermutlich auch merkbar höher als im aktuellen GSM-Netz.

Das soll sich allerdings recht schnell ändern, meint Bob Schukai, Chef der 3G-Entwicklung von Motorola in Europa. Bereits im zweiten Halbjahr werde der US-Konzern ein Nachfolgemodell präsentieren, das deutlich kleiner und leistungsfähiger sei. Bis es allerdings UMTS-Gratishandys geben werde wie derzeit bei GSM, würden zumindest fünf Jahre vergehen, meint Schukai.

Multimediaterminal

In Großbritannien kostet das erste UMTS-Handy von Motorola, das A830, mit Erstanmeldung 399 Pfund (rund 605 Euro). UMTS habe zwei Vorteile: Es spart viel Zeit im Datentransfer, und es macht das Handy zu einem Multimediaterminal, "mit dem man einfach Spaß und Unterhaltung haben kann", sagte Schukai. "Wir verwenden sehr viel Zeit mit Warten: auf den Bus, die Bahn, das Flugzeug, auf einen Termin. Diese Zeit kann produktiv genutzt werden: indem man E-Mails abruft, auf den Firmenserver zugreift oder die wichtigsten Szenen eines Skirennens herunterladet." Erst wenn solche Massenanwendungen - etwa ab 2004 - verfügbar wären, hätte UMTS das Zeug, GSM schrittweise ersetzen.

Eines bleibe aber trotz Hightech-Portalen und Internetangeboten sicher: Auch bei UMTS werden normale Telefonate die Hauptanwendung bleiben. (mimo, DER STANDARD, Printausgabe 15.1.2002)