Wien - Der mit 100.000 Euro dotierte Forschungspreis der Philip Morris Stiftung geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an vier Wissenschafter bzw. Teams, darunter an den in München arbeitenden österreichischen Physiker Harald Weinfurter. Auch die restlichen drei Viertel des Preises bleiben in Deutschland. Die Palette der Projekte reiche von Quantenexperimenten auf eisigen Alpengipfeln über Druckknopf-Verbindungen für Eiweißstoffe und Datenspeicher für künftige Computer bis zu Metamodellen von Wirtschaftsunternehmen, teilte die Philip Morris Stiftung am Dienstag in München mit. Der Preis wird am 4. Juni in München verliehen.

Der an der Ludwig-Maximilians-Universität-München forschende österreichische Physiker Prof. Harald Weinfurter erhält die Auszeichnung für seine Entwicklungen zur so genannten Quantenkryptographie. Anders als bisherige Verschlüsselungsverfahren für Computerdaten sei die Quantenkryptographie garantiert sicher, da jeder "Abhör"-Versuch eigene Spuren hinterlasse und so bemerkt werde.

Laserübertragung gelungen

Die Wissenschafter machen sich dazu Eigenheiten der so genannten Quantenmechanik zu Nutze, die keine Entsprechungen in der Makrowelt haben. Weinfurter und sein Team entwickelten auch Geräte für die Verschlüsselung, mit denen eine Laserübertragung bei extremer Witterung zwischen den 23 Kilometer voneinander entfernten Alpengipfeln von Zugspitze und westlicher Karwendelspitze gelungen sei.

Der Biochemiker Prof. Horst Kessler von der Technischen Universität München in Garching wird für seine Untersuchungen zum Zusammenspiel von Proteinen in natürlicher Umgebung ausgezeichnet. Mit seiner Analysemethode lasse sich die Struktur von kleinen Eiweißmolekülen, so genannten Peptiden, exakt bestimmen. Damit könnten dazu passende Strukturen gefunden werden, die sich wie die Teile eines Druckknopfs ergänzten. So könnten künstliche Oberflächen etwa von Implantaten biologisch verträglich und stabil beschichtet werden. Weitere Anwendungen werden für die Entwicklung von Arzneimitteln erwartet.

Für neue Grundlagen zur Datenspeicherung in kommenden Computergenerationen erhalten der Hamburger Physiker Prof. Roland Wiesendanger und sein Kollege Matthias Bode den Philip Morris Forschungspreis. Sie entwickelten Verfahren, um winzige magnetische Veränderungen bis an die Grenze des physikalisch Möglichen zu erzeugen und zu messen. Die Methode ermögliche erstmals ein Speichern von Daten in den Dimensionen einzelner Atome, hieß es.

"Architektur integrierter Informationssysteme"

Ausgezeichnet wird auch der Wirtschaftsinformatiker Prof. August-Wilhelm Scheer von der Universität Saarbrücken. Er habe die schwer beschreibbaren Abläufe in Unternehmen für die Betreuung durch Computer zugänglich gemacht. Scheer hatte sein System ARIS - "Architektur integrierter Informationssysteme" - vor zehn Jahren erst durch Gründung einer eigenen Firma durchsetzen können. Mittlerweile sei das Verfahren weltweit rund 35.000 Mal im Einsatz, unter anderem zur Reorganisation von Hochschulen und Streitkräften. Auch die Organisationsstruktur des jungen Staates Kirgisien sei mit Unterstützung des Verfahrens erstellt worden.

Der Forschungspreis wird seit 1983 vergeben. Die Philip Morris Stiftung will damit Forscher und ihre Projekte einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen und Berührungsängste zu Wissenschaft und Technik abzubauen. (APA/dpa)