Wien - Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), bisher Initiativen für längere Öffnungszeiten im Handel wenig aufgeschlossen, macht eine Kehrtwende. Und auch die Gewerkschaft signalisiert "Gesprächsbereitschaft, wenn die Rahmenbedingungen stimmen", sagt GPA-Gewerkschafter Erich Reichelt.

"Der Wirtschaftsminister soll einen Ermächtigungsrahmen definieren. Darauf aufbauend könnten die Landesregierungen gemeinsam mit den Sozialpartnern Öffnungszeiten definieren", sagte WKÖ-Präsident Christoph Leitl am Dienstag am Rande einer Veranstaltung der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Die Situation in Vorarlberg sei eine andere als im Burgenland, eine einheitliche Lösung für ganz Österreich also "nicht zielführend".

Hoteliers hoffen

Längere Öffnungszeiten im Handel wünschen sich vor allem die Hoteliers. "Ob Prag, Budapest oder Bratislava: Überall kann man auch abends und am Sonntag einkaufen", sagte Peter Peer, gemeinsam mit Sepp Schellhorn frisch gekürter ÖHV-Präsident. Leitls Vorschlag bezeichnete Peer als ersten wichtigen Schritt, dem noch weitere folgen müssten. "Wir möchten einen Rahmen von Montag, null Uhr, bis Sonntag, 16 Uhr." Die Hoteliers fürchten, dass bei Aufrechterhaltung der restriktiven Öffnungszeiten Gäste verstärkt in Nachbarländer ausweichen.

Wirtschaftsminister Martin Bartenstein war zuletzt mit seinem Vorschlag abgeblitzt, die Ladenöffnung zwischen Montag, null Uhr, und Samstag, 17 Uhr, freizugeben. "Es wird wieder Gespräche geben", hieß es im Ministerium. Eine generelle Sonntagsöffnung sei aber kein Thema. Die bestehende Möglichkeit, per Ermächtigung durch den Landeshauptmann in Tourismuszonen auch sonntags offen zu halten, sollte reichen.

Häupl signalisiert Bereitschaft

Bereitschaft, das starre Zeitkorsett zu sprengen, zeigt auch Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SP): "Wenn es eine Lösung mit Tourismuszonen gibt, die Rücksicht auf bestehende Einkaufsstraßen nimmt, soll es mir recht sein." Tabu bleibt für ihn allerdings der Sonntag - darin unterscheidet er sich von SP-Finanzstadtrat Sepp Rieder . (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe 15.1.2002)