Wien - Der Vorstand der Austrian Airlines (AUA) will mit einem einschneidenden Kostensenkungsprogramm verhindern, dass die Fluggesellschaft durch zu zu hohe Kosten Wachstumschancen nicht mehr wahrnehmen kann. "Unsere Einheitserträge sinken, deswegen müssen auch die Einheitskosten zurückgefahren werden," sagte Vorstandsdirektor Josef Burger. Nach den Plänen der Geschäftsführung sollen neu eintretende Piloten "substanziell" niedrigere Gehälter bekommen, bestätigte der dafür zuständige Vorstand Walter Bock.

Als substanziell ist dem Vernehmen nach ein Minus von über 20 Prozent zu verstehen, aus Betriebsratskreisen ist zu hören, dass Neueinsteiger um bis zu 50 Prozent weniger bekommen sollen als bisher.

Gehaltsunterschiede

Zur Zeit verdienen Kopiloten bei der AUA zu Beginn 2183 Euro brutto pro Monat, das Höchstgehalt für einen Kapitän beträgt 12.545 Euro. Bei der Lauda Air sind diese Sätze bereits deutlich niedriger: Ein Cockpit-Neuling verdient 1321 Euro brutto im Monat, und mehr als 8282 Euro gibt es für keinen Kapitän. Bei den ebenfalls zur AUA gehörenden Tyrolean Airways liegen die Gehälter noch niedriger. Ziel des Vorstandes könnte es ein, für neue AUA-Piloten die Löhne auf Lauda-Niveau oder etwas darüber abzusenken. Derzeit kostet ein Pilot die AUA im Schnitt 190.000 Euro im Jahr. Nicht betroffen von den Sparplänen sind die 482 bestehenden Pilotenverträge und die Flugbegleiter. Als Gegenleistung sollen in Zukunft dafür Piloten von Tyrolean und Lauda auch zur AUA wechseln können - allerdings nur in das neue, niedrigere Gehaltsschema.

Der Betriebsrat fordert hingegen einen neuen "Dachkollektivvertrag" für alle Piloten, was vom Vorstand zurückgewiesen wird: "Das bringt nur eine Angleichung an die Höchstlöhne."

Weitere Einsparungen

Zu weiteren Einsparungen soll - wie berichtet - auch die Kündigung der "Vereinbarung C33" verhelfen. Diese gilt noch bis Jahresende und sieht vor, dass die AUA im Konzern zumindest 43 Prozent der Flugstunden abwickeln muss. Ergebnis: "Zwei Flieger der Lauda Air und drei der Tyrolean müssen am Boden bleiben, obwohl es Einsatzmöglichkeiten gäbe." Dass die Kündigung der Vereinbarung dazu führe, dass AUA-Flüge in Zukunft mit billigeren Lauda-Besatzungen durchgeführt würden, verneint der Vorstand: "Das ist nicht unsere Absicht. Wir wollen nur so flexibel werden, dass wir Marktchancen ergreifen können", meint Burger.

Teurer Streik

Ein Streik der Belegschaft gegen die Sparpläne, der bereits nächste Woche stattfinden könnte, würde die AUA laut Burger "ohne Gegenmaßnahmen" täglich eine Million Euro kosten. (mimo, DER STANDARD, Printausgabe 15.1.2003)