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Scheich Yassin

Foto: Reuters/Comas

Ramallah/Kairo - Die Fatah-Bewegung des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat will einem generellen Stopp von Anschlägen gegen israelische Zivilisten zustimmen. Das berichtete die palästinensische Tageszeitung "Al Ayam" am Dienstag in Ramallah. Arafat werde einem ägyptischen Plan zustimmen, der alle palästinensischen Fraktionen zu einer Waffenruhe auffordert. In dem Papier wird zugleich der "Kampf für einen palästinensischen Staat mit der Hauptstadt Al Quds" (Jerusalem) unterstützt. Aus dem Zeitungsbericht geht nicht hervor, ob das Ende der Anschläge auch für israelische Militärangehörige sowie Siedler gelten soll, die auf besetztem palästinensischem Boden leben.

Laut "Al Ayam" hat Ägyptens Geheimdienstchef Omar Suleiman in den vergangenen Wochen Gespräche mit Führungsvertretern palästinensischer Gruppen geführt, darunter auch mit Führern der außerhalb der PLO stehenden radikalen islamischen Hamas-Bewegung und der libanesischen Hisbollah. Der Sicherheitsberater des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon und frühere Chef des Geheimdienstes Mossad, Ephraim Halevy, hatte in der vergangenen Woche Gespräche in Kairo geführt.

Yassin will weitermachen

Der im Gaza-Streifen lebende Gründer und geistliche Führer der Hamas, Scheich Ahmed Yassin, hatte am Montag den Aufruf Arafats zu einem Anschlagstopp zurückgewiesen. Er kündigte an, dass Selbstmordanschläge bis zur Befreiung Palästinas fortgesetzt würden. Die Einstellung der "Märtyrer-Aktionen" würde lediglich der "zionistischen Rechten" nützen, erklärte der Hamas-Gründer. "Der Terrorist (Israels Premier Ariel) Sharon könnte dann vor den Wahlen behaupten, es wäre ihm gelungen, die Sicherheit seiner Wähler zu gewährleisten", sagte Yassin. In Israel wird am 28. Jänner ein neues Parlament gewählt. Die Hamas wurde in den achtziger Jahren in Gaza gegründet, angeblich mit Unterstützung der israelischen Geheimdienste, die auf diese Weise Arafat schwächen wollten.

Yassin war 1997 nach 10-jähriger Haft in Israel auf jordanischen Druck freigelassen worden. Der damalige jordanische König Hussein hatte Yassins Freilassung ultimativ verlangt, nachdem zwei mit gefälschten kanadischen Pässen ausgestattete Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad nach dem gescheiterten Versuch, den Hamas-Führer Khaled Mechaal in Amman zu ermorden, von den jordanischen Behörden festgenommen worden waren. Die von den USA als terroristisch eingestufte Hamas fördert eine Reihe sozialer Projekte in den Palästinensergebieten und sichert damit ihren Rückhalt in der Bevölkerung. Nach israelischen Angaben wird sie finanziell sowohl vom Iran als auch von Saudiarabien unterstützt. (APA/dpa)