Peking - China hat sich als Gastgeber für Gespräche zwischen Nordkorea und den USA angeboten, um die Krise um das nordkoreanische Atomprogramm beizulegen. "Wenn die relevanten Parteien bereit sind, einen Dialog in Peking zu führen, hätten wir keine Schwierigkeiten damit", sagte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums in Peking. Der US-Sondergesandte für Asien, James Kelly, ist am Dienstag in Peking eingetroffen, wo ein Treffen mit Vizeaußenminister Li Zhaoxing geplant war. Die UNO befürchtet eine neue Hungersnot in Nordkorea, weil die USA Hilfslieferungen unterbrochen haben.

Das chinesische Außenministerium erklärte: "Wir hoffen, dass die USA und Nordkorea ihren Dialog rasch wieder aufnehmen können, denn ... Gespräche sind der effektivste Weg, dieses Problem zu lösen." Nordkorea beharrt zur Lösung des Atomstreits auf Verhandlungen mit den USA. Die USA haben sich zu "technischen Gesprächen" bereit erklärt, machten aber mehrfach deutlich, dass sie sich nicht zu Verhandlungen drängen lassen. China hat in dem schon seit Monaten anhaltenden Streit um das nordkoreanische Atomprogramm regelmäßigen Kontakt zu den Regierungen in Washington und Pjöngjang unterhalten und beide Seiten zum Dialog aufgerufen.

Im Oktober hatte Nordkorea nach US-Angaben eingeräumt, entgegen einem Abkommen von 1994 sein Atomprogramm weiter betrieben zu haben. Die USA stellten daraufhin ihre Heizöllieferungen an das kommunistische Land ein. Daraufhin kündigte Nordkorea die Wiederinbetriebnahme eines stillgelegten Atomreaktors an. In diesem Reaktor kann der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) zufolge auch waffentaugliches Plutonium hergestellt werden.

Anfang der Woche hatten die USA Nordkorea wieder Hilfe bei der Energieversorgung in Aussicht gestellt, sollte das Land auf sein Atomprogramm verzichten. Wenn der Streit beigelegt sei, könne es Möglichkeiten geben, Nordkorea durch die USA, private Investoren oder andere Staaten auf dem Energiesektor zu unterstützen, sagte der US-Sondergesandte Kelly in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat einen Sondergesandten nach Nordkorea geschickt, um den Stand der humanitären Hilfe für das Land einzuschätzen, da die USA ihre Lebensmittelhilfen ausgesetzt haben. Der Gesandte Maurice Strong sagte in Peking, es gebe die reale Gefahr einer neuen Hungersnot in Nordkorea. Der Nachschub von Lebensmittelhilfe bleibe aus, und wenn sich die Lage nicht ändere, könne die Lage im März oder April problematisch werden.

Andrew Natsios, Chef der US-Hilfsorganisation US-AID hatte am Montag über den vorläufigen Stopp der Lieferungen informiert. Hintergrund seinen aber nicht die gegenwärtigen politischen Differenzen zwischen beiden Staaten, sondern ungeklärte Fragen der Verteilung der Hilfsgüter. Nordkorea beschränkt die Kontrolle der Hilfsorganisationen über die Verteilung der Lieferungen. Diese wollen aber sicher gehen, dass die Lebensmittel tatsächlich bei den Bedürftigen ankommen. Es hatte Vermutungen gegeben, ein Teil der Hilfslieferungen käme der nordkoreanischen Armee zu Gute. (APA/Reuters)