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Großaufgebot der Zollfahnder beim Hamburger Tabakkonzern Reemtsma.

Foto: Reuters/Charisius

Hamburg/Essen/London - Die Großrazzia beim Tabakkonzern Reemtsma in Hamburg ist am Mittwoch fortgesetzt worden. Rund 250 bis 300 Beamte werteten nach einer kurzen Pause weiter Beweismaterial aus, sagte der Sprecher des Zollfahndungsamtes Essen, Eugen Bresemann. Beteiligt seien unter anderem Computerexperten. Details zu dem sichergestellten Material konnte Bresemann noch nicht nennen. Es seien bisher rund zwei Lastwagenladungen voll. "Wir sind noch in der Phase der Grobsortierung." Nach seinen Angaben soll Reemtsma noch bis diesen Donnerstag im Schichtdienst weiter durchsucht werden. "Der Betrieb läuft weiter", sagte Bresemann.

Am Dienstag hatten rund 1.000 Beamte - darunter auch Spezialisten des Bundeskriminalamtes - den Sitz das Tabakunternehmens sowie Privatwohnungen und andere Geschäftsräume durchsucht. Ermittelt wird unter anderem wegen Zigarettenschmuggels und Steuerhinterziehung auch gegen den Vorstandssprecher und Marketing-Direktor Manfred Häussler. Es bestehe der Verdacht der Unterstützung einer kriminellen Vereinigung und der Beihilfe zur Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit ausgeführten unversteuerten Zigaretten.

Zigaretten in den Irak geliefert

Trotz des UNO-Handelsembargos soll Reemtsma auch Zigaretten in den Irak geliefert und damit gegen das Außenwirtschaftsgesetz verstoßen haben. Nach Angaben des Hamburger Oberstaatsanwalts Rüdiger Bagger sollen allein im ersten Halbjahr 2000 rund 17 Mio. Zigaretten im Wert von 275.000 Dollar (259.998 Euro) in den Irak geschmuggelt worden sein.

Das britische Mutterunternehmen des Tabakkonzerns Reemtsma, Imperial Tobacco, bestritt in London eine Verletzung des UNO-Embargos durch solche Lieferungen. Imperial Tobacco wies am Mittwoch in London auch darauf hin, dass bisher keiner seiner Beschäftigten festgenommen worden sei. Bevor Einzelheiten der Ermittlungen vorliegen sei das Unternehmen zu keinen weiteren Kommentaren bereit, hieß es.

Lukrativer Schmuggel

Reemtsma ist hinter Marktführer Philip Morris und der britischen BAT-Gruppe der dritte große Zigaretten-Konzern in Deutschland. Der Konzern gehörte seit 1980 zur Tchibo-Gruppe der Hamburger Unternehmerfamilie Herz, die das Unternehmen 2001 für mehr als sechs Mrd. Euro an die britische Imperial Tobacco verkaufte. Reemtsma produzierte im Jahr 2001 europaweit mehr als 122 Mrd. Zigaretten in zehn Fabriken.

Zigarettenschmuggel zählt neben dem Rauschgift- und Menschenhandel zu den lukrativsten Geschäften der Organisierten Kriminalität. Dem deutschen Fiskus entgehen durch geschmuggelte Zigaretten nach Schätzungen jährlich etwa eine Mrd. Euro. Im Jahr 2000 waren an den deutschen Grenzen 1,1 Mrd. Zigaretten beschlagnahmt worden.(APA/dpa)