Washington - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat den USA eine folgenschwere Vernachlässigung der Menschenrechte im Kampf gegen den Terrorismus vorgeworfen. Mit der Bereitschaft, über den Missbrauch von Menschenrechten durch seine wichtigsten Verbündeten hinwegzusehen, behindere Washington die weltweiten Bemühungen für eine stärkere Achtung der Grundrechte, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht von Human Rights Watch.

In seiner Rolle als einzige Supermacht schade Washington der Sache weltweit, wenn es das Thema Menschenrechte nicht ernst nehme, erklärte Kenneth Roth, Vorsitzender der Menschenrechtsorganisation. Zwar hätten sich die USA in einigen Ländern für eine Stärkung der Menschenrechte eingesetzt, die nicht zu ihren engsten Verbündeten zählten, unter anderem Weißrussland und Simbabwe.

Diese Bemühungen würden jedoch geschmälert durch die Weigerung Washingtons, sich um die Menschenrechte in verbündeten Staaten zu kümmern und sich selbst an den Maßstäben messen zu lassen, die es anderen Ländern auferlege.

Im Umgang mit den Gefangenen auf der US-Militärbasis Guantanamo auf Kuba missachten die USA laut Human Rights Watch selbst die grundlegendsten Menschenrechte: "Washington weigert sich, auf die in Afghanistan gefassten Kriegsgefangenen die Genfer Konvention anzuwenden, und missbraucht die Kategorie des ,feindlichen Kämpfers'".

Kritisiert wird zudem das Bestreben der USA, wichtige Initiativen wie den Internationalen Strafgerichtshof sowie eine UN-Resolution zur Achtung der Menschenrechte im Antiterrorkampf zu untergraben. (AFP, red/DER STANDARD, Printausgabe, 15.1.2003)