Wien/Brüssel - EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti versprach, mit den neuen Vertriebsregeln für Neuwagen werde mehr Wettbewerb entstehen und so die Autopreise gedrückt werden.

Das Gegenteil werde mittelfristig eintreten, argumentieren österreichische Autoimporteure und -händler. Der Grund: Viele kleinere Familienbetriebe würden dem Druck nicht standhalten können, aufgekauft werden und in größen Fahrzeughandelskonzernen aufgehen. Diese würden eher höhere Preise durchsetzen können, weil sie sich mit Renditen von rund 0,5 Prozent, wie sie heute üblich seien, nicht zufrieden geben würden, so Branchenkenner.

Auto im Supermarkt

Experten wenden allerdings ein, dass es möglicherweise europäische Großhändler geben wird, die über Landesgrenzen hinweg bestimmte Massenautos zu Diskontpreisen anbieten werden. Auch Supermarktriesen dürften sich mittelfristig ins Geschäft mit einzelnen, gut gehenden Modellen einschalten.

Neues Regelwerk

Monti führte im Oktober ein neues Regelwerk ein, die "Gruppenfreistellungsverordnung". Vorher konnten die Hersteller - vereinfacht gesagt - Händler aussuchen, Gebietsschutz und exklusive Information gewähren sowie vorschreiben, wie Verkaufslokale und Werkstätten einzurichten sind. Jetzt mussten die Konzerne aus zwei Systemen wählen: "Selektiv" heißt, man kann Standards vorgeben und darf einschränken, dass nur an Vertriebsnetzangehörige verkauft wird. Jeder Händler kann aber ab 2005 EU-weit Verkaufsstellen aufmachen.

Oder, "exklusiv": Der Hersteller kann Händlern Gebiete zuteilen, darf aber nicht verbieten, dass netzfremd weiterverkauft wird. Die meisten wählten "selektiv". (szem, DER STANDARD, Printausgabe 15.1.2003)