Jerusalem - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat die Tötung von Zivilisten in Nahost angeprangert. In dem am Dienstag vorgelegten HRW-Jahresbericht heißt es, Israel töte "wissentlich und ungesetzlich" palästinensische Zivilisten und nutze sie außerdem als "menschliche Schutzschilde". 4.500 palästinensische Häftlinge, unter ihnen auch Jugendliche, seien bei ihrer Festnahme und während der Verhöre "Misshandlungen" ausgesetzt.

Kritisiert werden in dem Bericht auch Israels "übermäßige Anwendung von Gewalt", das Verbot für internationale, auch ärztliche Organisationen, sich während der "Operation Schutzwall" des israelischen Militärs im Frühjahr 2002 ins Westjordanland zu begeben, und die "Straflosigkeit für Militärs". Auch dass die Armee 148 verdächtige Palästinenser gezielt getötet habe, statt sie festzunehmen, prangert die Menschenrechtsorganisation an. Mindestens 46 Zivilisten seien bei diesen Aktionen getötet worden.

Kritik an der Autonomiebehörde

Scharfe Kritik übte Human Rights Watch an der palästinensischen Autonomiebehörde unter Palästinenserpräsident Yasser Arafat. Sie habe es nicht nur versäumt, palästinensische Angriffe und Anschläge auf israelische Zivilisten zu verhindern; Arafats Fatah-Bewegung halte darüber hinaus weiterhin Kontakt zu den so genannten Brigaden der Al-Aksa-Märtyrer, die für zahlreiche Selbstmordattentate in Israel verantwortlich seien. Auch die Angriffe gegen jüdische Siedler in den besetzten Palästinsergebieten verstießen gegen das Völkerrecht. Bedauerlich sei überdies, dass die internationale Gemeinschaft bei der Beilegung des Nahost-Konflikts gescheitert sei. (APA)