Soeben wurde die 51. Ausgabe einer Ausnahmeerscheinung in der Zeitschriftenlandschaft ausgeliefert: Das Jüdische Echo, ein einmal im Jahr publiziertes, 280 Seiten dickes "Dialogforum" über das jüdische Leben in Gegenwart und Vergangenheit. Redigiert wird es von Leon Zelman, dem Leiter des Wiener "Jewish Welcome Service", der das Heft auch als Analyse zur veränderten "Lage der Nation" sieht.

Ein guter Teil der rund sechzig Beiträge ist diesem Themenbereich gewidmet. So schreibt Elfriede Jelinek über angebliches "Alarmismusgeschrei"; mehrere Autoren, darunter Erika Weinzierl, befassen sich mit der Debatte um "Kirche und Nationalsozialismus", weitere mit den Benes-Dekreten. In mehreren Texten geht es um Ursachen und Restbestände des Antisemitismus. Rudolf Scholten beschreibt den von Zelman 1987 gestarteten Versuch, den Hollywood-Regisseur Fred Zinnemann (1907-1997) in dessen Geburtsstadt Wien einzuladen. Dieser lehnte ab, denn "meiner Ansicht nach ist eine jüdische Anwesenheit von Durchschnitts-Österreichern letzten Endes nicht erwünscht".

Sehr nahe gehend ist der Bericht des 58-jährigen Deutschen Jens-Jürgen Ventzki von dessen erster Reise in seinen Geburtsort, das polnische Lodz, wo sein Vater NS-Bürgermeister war, dem auch die Verwaltung des Gettos unterstand, in dem Zelman als Kind interniert war.

Ein umfangreicher Teil befasst sich mit der aktuellen Nahostdebatte in Europa - und in Israel. Zelman: "Ich wollte zeigen, dass Israel ein demokratisches Land ist, in dem es eine kritische Auseinandersetzung gibt."

Am 21. Jänner um 16 Uhr wird die Zeitschrift im Wiener Volkstheater präsentiert. (Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 15.1.2003)