Würzburg - Befindet sich der Mensch in einem Entscheidungskonflikt, ist in seinem Gehirn ein bestimmtes Steuerungszentrum aktiv. Bei schizophrenen Patienten liegt dort eine Störung vor, bestätigen Wissenschaftler der Universität Würzburg. Die Erkenntnisse könnte zu einer besseren medikamentösen Behandlung schizophrener Erkrankungen beitragen. Messungen der elektrischen Hirnströme weisen nämlich darauf hin, dass nicht alle zur Behandlung schizophrener Patienten eingesetzten Medikamente die gestörte Hirnfunktion normalisieren.

Mit EEG-Messungen an gesunden Versuchspersonen haben die Würzburger Wissenschaftler gezeigt, dass das Unterdrücken der vorbereiteten Reaktion nicht einfach ein passives Unterlassen ist. Vielmehr handelt es sich um eine aktive Hirnfunktion, bei der sich die hirnelektrische Aktivität deutlich anders über das Gehirn verteilt als dann, wenn die vorbereitete Reaktion tatsächlich ausgeführt wird. Darüber hinaus haben Andreas Fallgatter und sein Team nachgewiesen, dass der Entscheidungskonflikt beim Unterdrücken der Aktion zu einer stabilen und gut reproduzierbaren elektrischen Aktivität im so genannten anterioren Cingulum (wichtiges Steuerungszentrum im Vorderhirn) führt. Schizophrene Patienten zeigten bei dem Test eine Fehlfunktion dieses Steuerungszentrums.

"Bei einer Bestätigung dieser Befunde könnte man also in Zukunft über eine Messung der Hirnfunktion ganz individuell bestimmen, welche Medikamente bei einem Patienten wirken und so die Behandlung verbessern", erklärt Fallgatter, Privatdozent und Leiter des Labors für Klinische Neurophysiologie der Würzburger Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

Therapieeinfluss im nächsten Schritt untersucht

Fallgatter wird im nächsten Schritt mit finanzieller Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft den Einfluss der Therapie auf die Funktionsstörung des Gehirns weiter untersuchen. Dabei wird mit möglichst einfachen und nebenwirkungsfreien Methoden wie dem Elektroenzephalogramm (EEG) versucht, Fehlfunktionen bestimmter Hirnareale von Schizophrenie-Patienten sichtbar zu machen. Im Experiment werden dafür Entscheidungskonflikte provoziert, da bei schizophrenen Patienten häufig beeinträchtigte Hirnfunktionen Situationen betreffen, in denen eine Entscheidung darüber fallen muss, welche von zwei Handlungsmöglichkeiten ausgeführt werden soll.

Im Zuge des Experiments bekommen die Testpersonen auf einem Bildschirm nacheinander verschiedene Buchstaben gezeigt. Immer wenn ein O erscheint, sollen sie sich darauf vorbereiten, möglichst schnell eine Antworttaste zu drücken. Das darf aber erst dann ausgeführt werden, wenn auf das O ein X folgt. Erscheint nach dem O ein anderer Buchstabe, dann müssen die Testpersonen die gedanklich schon vorbereitete Aktion unterdrücken.

Anzeichen

Rund 800 Personen in Österreich erkranken alljährlich an Schizophrenie. Die Patienten können nicht zwischen Einbildung und Wirklichkeit unterscheiden. Sie fühlen sich verfolgt, hören Stimmen, die ihnen Befehle erteilen, oder sehen Dinge, die außer ihnen niemand wahrnimmt. Die Krankheit verläuft meist in Schüben. Nahezu beschwerdefreie Perioden wechseln mit Phasen, in denen die Wahnvorstellungen überhand nehmen.

Erste Anzeichen einer Schizophrenie können Appetit- und Schlafstörungen, allgemeine Ängste, Gereiztheit, Energielosigkeit sowie Verfolgungswahn sein. Bei vielen Patienten kommt zudem zu ungewöhnlichen Denkinhalten, Hypersensibilität, Sorge um Selbstdarstellung, Verlust des Selbstvertrauens sowie zu Alkohol- und Drogenproblemen. Die Mehrzahl der Patienten ist allein stehend. Nur ein Viertel hat eine feste Beziehung. (APA/pte)