München/Wien - "Absolut abhörsichere Datenübertragung" verspricht die so genannte Quanten-Kryptografie, für die der an der Universität München arbeitende österreichische Physiker Harald Weinfurter als Pionier gilt. Im Vorjahr berichtete die britische Wissenschaftszeitschrift "Nature" über Versuche Weinfurters und seiner Kollegen, die zwischen Zugspitze und Karwendelspitze eine derart abhörsichere Leitung aufgebaut und getestet haben.

So genannte Quanteneffekte, wie sie in der Welt der kleinsten Teilchen auftreten, sind mit nichts in der Makrowelt zu vergleichen und scheinen dem Menschenverstand zu widersprechen. So ist es möglich, dass sich so genannte verschränkte Teilchen über beliebige Distanzen untereinander verständigen. Ein anderer Effekt ist der, dass die Beobachtung eines Zustands diesen Zustand verändert. Beobachtet etwa ein Spion die Polarisation (die Schwingungsebene) eines Lichtteilchens so hat er in das System bereits eingegriffen, und das kann sofort festgestellt werden.

Bei Weinfurters jüngsten Experimenten ging es vor allem um die Übertragung des Schlüssels für die Kryptografie, weniger um Nachrichten selbst. Bisher konnten Adressaten von vertraulichen Nachrichten nicht feststellen, ob sie abgehört wurden. Bei lichtcodierten Botschaften kann jeder Abhörversuch abgeblockt werden. Das System funktioniert folgendermaßen: Zwischen zwei Personen oder Organisationen wird zuerst der mit Lichtquanten codierte Nachrichtenschlüssel ohne Nachricht ausgetauscht. Durch einen möglichen Lauschangriff verändert sich der Schlüssel. Erst wenn Sender und Empfänger untereinander einen sicheren Schlüssel ausgetauscht haben, folgt die Nachricht, die dann absolut abhörsicher sei.

Wissenschafter der Universität-München haben unter der Leitung von Weinfurter dieses Verfahren mit zwei Teleskopen zwischen Zugspitze und Wendelstein über eine Entfernung von rund 23 Kilometer erfolgreich getestet. Genfer Forscher haben die gleiche Methode über Glasfaser fast 70 Kilometer abhörsicher getestet, sagte Weinfurter. (APA)