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Grafik: Reuters

Santa Clara - Der weltgrößte Chip-Hersteller Intel hat seine Gewinne im vierten Quartal des vergangenen Jahres mehr als verdoppelt. Im Vergleich zu den Herbst- und Wintermonaten 2001 sei der Gewinn um 108 Prozent auf 1 Mrd. Dollar (945 Mill. Euro) gestiegen, teilte der Konzern am Dienstag in Santa Clara mit. Die Einschätzungen der Wall Street seien damit übertroffen worden. Der Umsatz hat sich im vierten Quartal von 7,0 auf 7,2 Mrd. Dollar erhöht.

Für den Ausblick auf das neue Jahr 2003 ist Intel dennoch vorsichtig. Für das laufende Quartal rechnet der Konzern mit einem für die Jahreszeit typischen Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorquartal. Seine Investitionspläne für das laufende Jahr hat das Unternehmen stärker zurückgenommen als von Analysten erwartet.

Die Intel-Aktie lag am Dienstag im nachbörslichen Handel mit 17,94 Dollar etwas über ihrem Schlusskurs von 17,79 Dollar. Die Aktien von Chipausrüstern reagierten dagegen mit deutlichen Kursverlusten auf die von Intel geplanten Investitionskürzungen.

Intel selbst konnte im vierten Quartal beim Umsatz den Anteil der teureren Chips für Laptops und Server-Computer steigern. Der durchschnittliche Verkaufspreis für Mikroprozessoren sei damit gestiegen. Analysten hatten den Gewinn je Aktie im Durchschnitt mit 14 Cent und den Umsatz mit 6,9 Mrd. Dollar prognostiziert.

Der US-Konzern will nach eigenen Angaben die Investitionen in diesem Jahr auf 3,5 bis 3,9 Mrd. Dollar senken von 4,7 Mrd. Dollar 2002. Analysten waren im Schnitt bisher von einem Investitionsvolumen für 2003 von rund vier Mrd. Dollar ausgegangen. Die geplante Senkung ist eine schlechte Nachricht für die Chipausrüster, deren größter Kunde Intel ist. Die Aktien der führenden Chipausrüster, Applied Materials, KLA-Tencor und Novellus, gaben im nachbörslichen Handel deutlich nach.

Für das laufende erste Quartal erwartet Intel den Umsatz zwischen 6,5 und 7,0 Mrd. Dollar. Ein Umsatzrückgang im ersten Quartal im Vergleich zum vierten Quartal des Vorjahres sei typisch, sagte Finanzchef Andy Bryant.

Die Geschäftsentwicklung beim Branchenprimus Intel gilt als Barometer für den Trend in der Halbleiterindustrie. Nach ihrer bislang stärksten Krise hofft die Branche auf eine Erholung im laufenden Jahr. Intel hat am Markt für Mikroprozessoren für Personalcomputer einen Anteil von rund 80 Prozent. Mikroprozessoren sind gleichsam die "Gehirne" von Computern. Branchenzweiter ist Advanced Micro Devices (AMD). AMD will seine Quartalszahlen am Donnerstag vorlegen. Analysten gehen auch bei AMD von soliden Geschäftsergebnissen aus. "Ein extrem schwieriges Jahr für die Industrie, mit einem erfolgreichen Ausgang für uns", so charakterisiert der Westeuropa-Chef von Intel, Jürgen Thiel, das abgelaufene Jahr 2002. Erholt habe sich vor allem der Geschäftskundenbereich. Während im Consumer-Segment nach einem starken Oktober und November im Dezember die Nachfrage nachgelassen habe, habe sich das Geschäft mit mittelständischen Unternehmen erstmals seit langem wieder erholt. "Das letzte Quartal 2002 war im Businessbereich das beste innerhalb der vergangenen elf Quartale", sagte Thiel am Mittwoch zur APA.

Diese Trends, so der Europa-Chef, hätten sich auch in Österreich abgezeichnet. Abgehoben habe sich das österreichische Geschäft vom Rest Europas aber durch einen besonders guten Geschäft mit neueren, hochwertigen Prozessoren. Umsatz- und Ergebniszahlen für Österreich gibt das Unternehmen nicht bekannt.

In Europa insgesamt hat Intel nach einer negativer Entwicklung zu Jahresbeginn den Umsatz vom zweiten auf das dritte Quartal um 16 Prozent, vom dritten auf das vierte Quartal gar um 18 Prozent gestiegen. Der Anteil Europas am Gesamtumsatz des Konzerns habe sich im Laufe des Jahres wieder von 20 auf 25 Prozent verbessert.

Vor allem im mobilen Bereich habe Intel in Europa stark gepunktet. Während das Europa-Geschäft im PC-Bereich um 5 Prozent gesunken sei, habe 2002 bei Notebooks und Pocket-PCs einen Zuwachs von mehr als 20 Prozent gebracht. Deutliche Zuwächse habe es auch bei Servern gegeben, wo man im vierten Quartal einen neuen Rekordabsatz erzielt habe, sagt Thiel.

Von einer Trendwende will der Intel-Westeuropa-Chef aber noch nicht sprechen. Ob es sich bei den Investitionen der Klein- und Mittelbetriebe schlicht um das übliche Jahresendgeschäft gehandelt habe oder ob sich der Erholungstrend fortsetze, werde man abwarten müssen. Eine Prognose wagt Thiel nicht: Es gebe derzeit eine Reihe unsicherer Faktoren. Vor allem angesichts der Unsicherheit über einen möglichen Irak-Krieg, sei eine Vorhersage derzeit "sehr schwierig".

Was die Kostenstruktur betrifft erwartet Intel für das Gesamtjahr 2003 laut Konzern-Mitteilung eine Steigerung der Bruttogewinnmarge von 50 auf rund 51 Prozent.

Schon zuletzt hatte das Unternehmen seine Kosten durch Personalabbau deutlich reduziert. In den vergangenen zwei Jahren sei die Mitarbeiterzahl um mehr als 10.000 auf 80.000 geschrumpft, betont Thiel. Auch für das laufende Jahr überlege man einen weiteren leichten Abbau. Dieser werde aber über den natürlichen Abgang bewältigt werden können, betonte der Westeuropa-Chef. Österreich wird jedenfalls nicht betroffen sein. (APA/Reuters)