Wien - "In die öffentlichen Räume . . .?" "Die Zimmer . . .?" "Zu den Klavieren . . .?" Laut schreien ein paar Herren vom Dorotheum durch die Halle. Sie wollen die vielen Ungeduldigen im Hotel Hilton unter Kontrolle bringen. Sie in Gruppen sammeln, um sie durch das gästelose Hotel zur Besichtigung zu leiten.

"Kruziwuzi - wo gemma denn z'erscht hin?" Die blond gesträhnte Dame im Pelz ist hektisch. Hoffentlich schaut ihr niemand etwas weg von dem angeblich so wertvollen und jetzt so billig zu ersteigernden Hotelmobiliar.

Dutzende stellen sich am ersten Morgen der Besichtigung an, um jene Lampen, Tische, Kästen und Betten zu inspizieren, die am Donnerstag versteigert werden.

Eine zehnköpfige Klaviertruppe setzt sich in Bewegung. Drei Bösendorfer sind im Katalog für die Versteigerung gelistet. Klassisch schwarz, protzig weiß und bescheiden braun stehen die Flügel im Saal. Herr Yu greift sogleich in die Tasten, er ist Techniker bei einer Wiener Klavierfabrik. "Ich glaube, der ist 10.000 Euro wert", sagt er über den schwarzen Flügel, der mit 6000 Euro Rufpreis ausgewiesen ist. Vielleicht eine gute Investition für seine Kinder? Aber der Klavierexperte weiß: "Da muss man viel reparieren, um mindestens 5000 Euro." Er hört bei der Spielprobe sofort, dass auf dem Flügel lange niemand mehr spielte. Das braune Klavier erntet nach einem Blick in den hölzernen Korpus nur Kopfschütteln. Ob er am Donnerstag mitsteigert? "Eher nicht."

Ende der Klavierrunde, auf zur Besichtigung der Zimmer. Konrad Windsperger, Auktionsmanager des Dorotheums, erklärt: Vor der Renovierung des Hilton heißt es "alles schnell raus!" Verkauft wird nur in Bausch und Bogen.

Wien ist nicht Las Vegas

Um ein paar Hundert Euro ist eine gesamte Zimmereinrichtung zu haben: Bett, Stühle, Nachttischlampe, Klomuschel. "Na geh, des hob i mir schöner vorgestellt", der blau gewandete Herr ist angesichts der Fünf-Sterne-Ausstattung enttäuscht. Er ist doch Mann von Welt: "Wie wir in Las Vegas waren, war es viel schöner." Der Dorotheumsführer zuckt die Schultern. "Und?" Sein Interesse ist es nicht, die Zimmer in Las Vegas anzupreisen. Er zeigt nur das Hilton in Wien.

Im Erdgeschoß steht noch die gesamte Klimtbar zur Abholung bereit. Sie hat mit dem berühmten Maler nur so viel gemein, als sein Jugendstil für die 1975 konzipierte Ausstattung kopiert wurde. Dafür hat auf den Barhockern schon Sammy Davis Jr. ein paar Drinks genommen. Oder Leonard Cohen. Oder Juliette Gréco. Die Rolling Stones dürften hier einiges gekippt haben, ehe sie in der Presidential Suite mit Torten warfen. Immerhin: "Sie haben den Schaden anstandslos bezahlt", wissen Hotelchronisten. (aw, DERE STANDARD Printausgabe 15.1.2003)