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Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

In Europa ist UMTS noch nicht am Markt. Das europaweit erste UMTS-Testnetz hat im September 2002 die österreichische Mobilkom Austria gestartet. Das Mobilkom-Netz deckt bisher elf Städte sowie Industriezentren und damit rund 40 Prozent der österreichischen Bevölkerung ab. Bisher wurden 72 Mio. Euro in das UMTS-Netz investiert. Im April 2003 will die Mobilkom mit dem kommerziellen Betrieb von UMTS starten, hieß es vor Journalisten in Japan.

UMTS ist möglich - auch mit Erfolg

UMTS sei grundsätzlich möglich und könne auch zum Erfolg geführt werden, sagte Mobilkom-Generaldirektor Boris Nemsic, der zu einem Lokalaugenschein nach Japan gereist ist. Allerdings gehe die Standardisierung der weltweiten Telekomindustrie derzeit nicht schnell genug, um aus UMTS einen globalen Dienst machen zu können.

Zu wenige Inhalte

Außerdem gebe es derzeit zu wenig Inhalte für Anwendungen, da diese sehr teuer seien. Auch wenn Japan bereits mit UMTS gestartet sei, müsse ein individueller "europäischer Weg" gefunden werden, so Nemsic auf dem Mobilfunkkongress. Auch die Technologie von UMTS sei nicht zu unterschätzen: "Ich habe nicht gedacht, dass die Akkuleistung von Handys jemals wieder ein Thema wird."

"Der Kunde kauft nicht die Technologie"

"Der Kunde kauft nicht die Technologie, sondern das, was die Technologie ermöglicht", meinte der Generaldirektor der Telekomvereinigung CTIA, Tom Wheeler. 3G werde vielfach als "Wunder" und "Nirvana der mobilen Datenübertragung" dargestellt. Der Geschäftserfolg werde sich aber nicht über die Technologie selbst, sondern über die angebotenen Dienste entwickeln. Der Fokus müsse stärker auf Anwendungen, den Markt und Handys gelegt werden. "Nicht die Technologie ist von Bedeutung, sondern der Kundennutzen", glaubt auch der Chef der australischen Telstra, Dick Simpson.

Video-Überwachung

Die Datenübertragung via Handy müsse weiter vorangetrieben werden, ist NTT Docomo-Chef Keiji Tachikawa überzeugt. Die Schwerpunkte lägen beim Versenden von Mails via Handy, ferner bei Nachrichten, Filmen, Musik und Kontrolldiensten. In Japan ist beispielsweise die Video-Überwachung von Kindergartenkindern durch die Eltern bereits Realität. Die Musik- und Telekomindustrie verhelfen sich gegenseitig zum Erfolg, meinte Wheeler. Vom 2001 erreichten Gesamtumsatz der Musikindustrie von 33 Mrd. Dollar seien beispielsweise 1,3 Prozent auf Handy-Klingeltöne entfallen.

"Die Zukunft liegt in den Datenservices"

"Die Zukunft liegt in den Datenservices, auf Datenströmen basierende Anwendungen werden UMTS zum Erfolg verhelfen", sagte der Chef des Mobilfunkbetreibers Mobile One aus Singapur, Neil Montefiore. Einen UMTS-Massenmarkt werde es aber erst ab 2004/05 geben. Die Mobilfunkbetreiber müssten jedoch stärker auf Partnerschaften - mit Betreibern, Herstellern und Contentbetreibern - setzen. "Alleine wird keiner Erfolg mit UMTS haben", so Montefiore.

Die vierte Generation

Trotz der noch bestehenden massiven Probleme mit der dritten Mobilfunkgeneration denkt Japan indes bereits an die vierte Generation. NTT Docomo-Chef Keiji Tachikawa: "Wir haben in Japan alle 10 Jahre eine neue Mobilfunkgeneration eingeführt". 2001 sei man mit dem UMTS-Dienst Foma gestartet, um das Jahr 2010 werde man die vierte Generation auf den Markt bringen. Mit dieser Technologie sollen Datenübertragungsraten von bis zu 100 Megabit in der Sekunde möglich werden. So könnte etwa der Textinhalt aller 24 Brockhaus-Bände innerhalb von 10 Sekunden übertragen werden. Nach Angaben von NTT Docomo könnten die Netze der vierten Generation vor allem bei Telefonkonferenzen und Multimedia-Anwendungen zum Einsatz kommen.(APA)