Der Siemens-Betriebsrat hat fast allen betriebsbedingten Kündigungen bei der Netzwerk- und Mobilfunksparte in München widersprochen. In den meisten der 366 Fälle seien die entsprechenden Bestimmungen de facto nicht beachtet worden, sagte ein Betriebsratsmitglied am Mittwoch in München. Deshalb seien 362 Kündigungen abgelehnt worden. Für mehr als die Hälfte der Betroffenen habe außerdem Kündigungsschutz aus einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung bestanden.

"Siemens versucht den Kündigungsschutz systematisch auszuhebeln"

"Siemens versucht den Kündigungsschutz systematisch auszuhebeln", sagte der Betriebsrat. Zwei Drittel der Beschäftigten, die in diesen Tagen ihre Kündigung erhielten, arbeiteten länger als 20 Jahre bei Siemens. Weitere zwei Drittel seien älter als 45 Jahre, womit der Konzern nach Einschätzung der Arbeitnehmervertreter eine "gezielte Ausmusterung der Älteren" bezwecke. Der Siemens-Betriebsrat geht davon aus, dass nahezu alle betriebsbedingt Gekündigten gerichtlich dagegen vorgehen werden. "Dazu müssen sie nach Erhalt der Kündigung innerhalb von 21 Tagen Kündigungsschutzklage erheben."

Weltweit rund 35.000 Arbeitsplätze betroffen

Siemens hatte seit Frühjahr 2001 schrittweise den Abbau von weltweit rund 35.000 Arbeitsplätzen angekündigt. Bei der Netzwerksparte ICN in München wurden bisher nach Siemens-Angaben von den ursprünglich geplanten 2.300 Arbeitsplätzen rund 300 Stellen gestrichen.(APA/dpa)