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Preisträgerin Renee Schroeder
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

Wien - Die Mikrobiologin Renee Schroeder wurde vom Österreichischen Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten zur "Wissenschafterin des Jahres 2002" gewählt. Die Auszeichnung wurde der Forscherin am Mittwoch in Wien vom Präsidenten des Klubs, Manfred Jochum, überreicht. Die 49-jährige Schroeder arbeitet am Institut für Mikrobiologie und Genetik am Wiener Biocenter.

Bodenständige Disziplin Chemie

Chemie hat Renee Schroeder schon in ihrer Schulzeit gefallen, als "bodenständige" Disziplin erlebt sie ihr Fach Mikrobiologie noch heute. Trotz dieser Bodenständigkeit wollte die "Wissenschafterin des Jahres 2002" in ihrer Karriere durchaus hoch hinaus - hat sich aber "den Schädel bereits zwei Mal an der Glasdecke" angehaut, die an Universitäten nach wie vor Frauen in ihrer Laufbahn behindert. Aus diesem Grund engagiert sich die 49-jährige Mikrobiologin besonders für die Förderung von Frauen in der Wissenschaft.

Werdegang

Schroeders Lebenslauf beginnt exotisch: geboren am 18. Mai 1953 in Joao Monlevade, Brasilien. Ihr Vater, ein Luxemburger, war Elektrotechniker in der Stahlindustrie. Im Alter von 14 Jahren übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Bruck an der Mur (Steiermark). 1972 begann sie ein Biochemie-Studium an der Universität Wien, das sie 1981 mit dem Doktorat abschloss. Bereits in ihrer Dissertation entdeckte sie die Faszination der Ribonukleinsäure (RNA), die seither ihr persönlicher Spezialforschungsbereich ist. Nach mehrjährigen Aufenthalten in Frankreich und den USA wechselte sie 1986 als Assistentin ans Institut für Mikrobiologie und Genetik der Universität Wien. 1993 habilitierte sich Schroeder mit einer Arbeit über die Wechselwirkung von Antibiotika mit der RNA, seit 1995 ist sie außerordentliche Professorin an dem am Vienna Biocenter angesiedelten Institut.

Mitglied der Bioethik-Kommission

Schroeder ist Mitglied der Bioethik-Kommission des Bundeskanzlers. Zudem ist sie gewähltes Mitglied der European Molecular Biology Organisation (EMBO) und seit dem Vorjahr korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). 1984 wurde sie mit dem Theodor-Körner-Stiftungspreis für Wissenschaft und Kunst, 1992 mit dem "Sandoz-Forschungspreis für Biologie" ausgezeichnet. 2001 erhielt sie den von der Firma L'Oreal und der Unesco vergebenen "Special Honor Award für Frauen in der Wissenschaft".

Mit diesem Preis wurde speziell auch Schroeders Engagement im Mentoring-Programm für Frauen an der Uni Wien gewürdigt, das Nachwuchs-Wissenschafterinnen den Zugang zu Förderungen sowie zu formellen und informellen Netzwerken ermöglicht. Dieses Programm hält Schroeder gerade an ihrer Fakultät für sehr wichtig, da sie diese für "extrem frauenfeindlich" hält. Vor allem die "mittelmäßigen Professoren" würden erfolgreiche Forscherinnen nicht aushalten, "weil diese im Gegensatz zu den starken Leuten tatsächlich etwas zu verlieren haben".

Engagement für gesellschaftliche Akzeptanz der Wissenschaft

Als Kommissionsvorsitzende für die Schaffung des neuen Studienzweiges "Molekulare Biologie" hat Schroeder einen wesentlichen Beitrag zur Erweiterung des Studienangebotes der Universität Wien geleistet. Besonders hat sie sich dabei für die Einbeziehung der Öffentlichkeitsarbeit als Studienschwerpunkt eingesetzt. Für ihr Engagement für die Verbesserung der Akzeptanz von Wissenschaft in der Gesellschaft wurde sie vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten als "Wissenschafterin des Jahres 2002" ausgezeichnet.

Fast verwundert reagiert die zweifache Mutter auf die Frage nach Hobbys - für so etwas bleibe neben Beruf und Kindern keine Zeit. Entspannung findet sie bei seltenen Kaffeehausbesuchen, und in jüngster Zeit hat sie Yoga entdeckt.

Bisher Ausgezeichnete

Bisherige "Wissenschafter des Jahres" waren Ulrich Körtner (2001), evangelischer Theologe, Uni Wien; Hildegunde Piza (2000), Plastische Chirurgin, Uni Innsbruck; Christoph Badelt (1999), Sozialforscher, Wirtschaftsuniversität Wien; Herbert Budka (1998) Prionen-Forscher, Uni Wien; Rudolf Rieder und Heinrich Wänke (1997), Mars-Forscher vom Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz; Anton Zeilinger (1996), Experimentalphysiker, Uni Innsbruck; Stefan Karner (1995), Zeithistoriker, Uni Graz; und Georg Wick (1994), Altersforscher, Uni Innsbruck. (APA)