München/Wien - Das Europäische Patentamt in München hat vergangenen Mittwoch ein Patent auf ein Gen erteilt, das bei Entstehung und Diagnose von Brustkrebs eine zentrale Rolle spielt, berichtete Greenpeace heute, Mittwoch, in einer Aussendung. Demnach habe die US-Firma Myriad ein exklusives Nutzungsrecht für das Brustkrebsgen 2 erhalten. "Greenpeace fordert den Widerruf dieser Patente sowie ein generelles Verbot der Patentierung von Genen und Lebewesen", so Thomas Fertl, Gentechnik-Experte der Organisation.

"Die rechtliche Wurzel des Problems liegt in der Biopatentrichtlinie der EU, die solche Patente auf Leben ermöglicht", so Fertl. Er fordert von der zukünftigen Regierung eine Neuverhandlung dieser Richtlinie, statt diese in nationales Recht umzusetzen.

Beeinspruchte Patente

Myriad hat bereits im Jahr 2001 zwei Patente erhalten, gegen die Greenpeace und auch Österreich offiziell Einspruch eingelegt haben, hieß es. Die Firma nutzt laut den Umweltschützern ihr Monopol zu Lasten der Patientinnen: die üblichen Labor-Untersuchungen auf genetische Veranlagung für Brustkrebs müssten in Europa gestoppt werden, die Proben müssen im Myriad-Labor in den USA untersucht werden. Dadurch werden die Tests um ein Vielfaches teurer, die Entwicklung von Arzneimitteln und besseren Testverfahren werde behindert.

Gen-Patente betreffen pauschal auch alle bekannten und noch unbekannten biologischen Funktionen und alle potenziellen wirtschaftlichen Verwendungen des Gens, kritisierte Greenpeace. Das Brustkrebsgen ist etwa auch an der Entstehung u.a. von Dickdarmkrebs beteiligt.

Über 1.000 Patente wurden vom Europäischen Patentamt auf menschliche Gene erteilt, so die Organisation. Es berufe sich dabei auf die EU-Biopatentrichtlinie, die jedoch nur wenige EU-Staaten umgesetzt haben. Selbst das Europäische Parlament habe im November 2002 grundsätzlich die Patentierung menschlicher Gene abgelehnt, hieß es.(APA)