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Den Haag/Wien - Die rechtspopulistische niederländische Partei Liste Pim Fortuyn (LPF) gibt es erst seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres, doch kaum eine andere politische Partei hat in so kurzer Zeit derart viele Höhen und Tiefen erlebt wie die LPF. Mit dem wegen seiner Aussagen zur Einwanderung und zum Islam sehr umstrittenen Ex-Soziologieprofessor Pim Fortuyn hatte sie eine Figur an der Spitze, von der sie immens profitieren konnte.

Wie auch schon der Name der Partei zeigt, war Fortuyn ihr Programm. Der 54-jährige mit dem kahl geschorenen Kopf, der aus seiner Homosexualität kein Geheimnis machte, kritisierte gerade im Namen der Menschenrechte den Islam, bezeichnete ihn als rückständig und rief gleichzeitig: "Die Niederlande sind voll!".

2002: Erster politischer Mord seit 400 Jahrne

Am 6. Mai 2002 wurde Fortuyn von einem Linksextremisten auf einem Parkplatz in Hilversum erschossen - der erste politische Mord in den Niederlanden seit 400 Jahren. Das Attentat löste dementsprechende Schockwellen in der Gesellschaft aus. Diese Wellen trugen die LPF mit 17 Prozent der Stimmen als zweitstärkste Partei ins Parlament - ein beispielloses Ergebnis für eine politische Partei, die damals kaum mehr als einen Monat alt war.

Skandale

Doch bald zeigte sich, dass die Anziehungskraft der LPF ausschließlich auf dem Charisma und der Provokationskraft ihres Führers und Namensgebers Fortuyn beruht hatte. Bereits kurz nach der Regierungsbildung am 22. Juli verwickelte sich die Partei in Skandale. Philomena Bijlhout, Staatssekretärin für Gleichstellung und Familie, musste schon wenige Stunden nach Amtsantritt zurücktreten. Die in Surinam geborene 44-jährige hatte falsche Angaben über ihre Vergangenheit in einem paramilitärischen Verband des Regimes von Desi Bouterse gemacht, das Anfang der achtziger Jahre das südamerikanische Land beherrschte.

In den darauffolgenden Monate lähmten LPF-interne Streitigkeiten immer wieder die Regierungsarbeit mit den Koalitionspartnern Christdemokraten (CDA) und Rechtsliberalen (VVD). Der persönliche Konflikt zwischen Wirtschaftsminister Herman Heinsbroek, der sich auch in der LPF als neuer Führer positionieren wollte, und dem Minister für Volksfürsorge, Eduard Bomhoff, brachte schließlich das Fass zum Überlaufen. Am 16. Oktober 2002 kündigten schließlich die Regierungspartner das Koalitionsabkommen auf.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Umfragewerte der einstmals zweitstärksten LPF bereits auf vier Prozent abgesackt. Es gibt auch bis kurz vor den Wahlen am 22. Jänner keine Anzeichen dafür, dass ihre Popularität wieder steigen könnte. Mehr als ein halbes Jahr nach dem Tod Pim Fortuyns scheint nun auch seine Partei in die politische Bedeutungslosigkeit abgestürzt zu sein. (APA)