Tokio/Seoul - Die USA haben Meldungen dementiert, wonach Präsident George W. Bush Nordkorea Sicherheitsgarantien vorgeschlagen habe, falls die Führung in Pjöngjang ihr Atomprogramm aufgebe. Im Bemühen um eine friedliche Beilegung des Atomstreits haben Nord- und Südkorea eine neue Gesprächsrunde auf Ministerebene vereinbart. Die Regierungsvertreter wollen in der kommenden Woche von Dienstag bis Freitag in Seoul zusammenkommen, wie die südkoreanische Regierung mitteilte. Die nordkoreanische Armee verstärkte unterdessen ihre Patrouillen in der entmilitarisierten Zone entlang der Waffenstillstands-Demarkationslinie.

Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Sean McCormack, wies japanische Agenturberichte als falsch zurück, nach denen Bush eine schriftliche Erklärung vorgeschlagen habe, in der er darlegen wolle, dass die USA keine feindlichen Absichten gegen Nordkorea hätten. "Da gibt es nichts Glaubwürdiges an dieser Meldung. Die Meldung ist falsch", sagte McCormack. US-Außenminister Colin Powell sprach sich in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" für ein neues Abkommen mit Nordkorea aus, wenn der aktuelle Streit beigelegt sei. Dieses Abkommen solle sicher stellen, dass Nordkorea keine Atomwaffen herstellt, sagte Powell. Ein Abkommen als Antwort auf einen von Nordkorea geforderten Nichtangriffspakt schloss Powell allerdings aus.

Bei den bevorstehenden Regierungsgesprächen in Seoul wollen die südkoreanischen Delegierten nach offiziellen Angaben versuchen, den Norden zur Aufgabe seines Atomprogramms zu bewegen. Es handelt sich um das neunte Treffen von Regierungsvertretern beider Seiten sind seit dem historischen Gipfel von Pjöngjang im Juni 2000. Damals war der südkoreanische Staatspräsident Kim Dae Jung mit dem nordkoreanischen Führer Kim Jong Il zusammengetroffen.

Der neu gewählte südkoreanische Staatspräsident Roh Moo Hyan, der im Februar in sein Amt eingeführt wird, rief die internationale Gemeinschaft auf, ihre diplomatischen Bemühungen um eine Beilegung des Atomstreits zu verstärken. "Wir werden das nordkoreanische Atomwaffenprogramm niemals akzeptieren können", sagte er am Mittwoch in Yongsan.

In Peking äußerte sich US-Unterstaatssekretär James Kelly optimistisch über eine friedliche Lösung des Konflikts. "Ich bin sehr zuversichtlich", sagte er vor einem Gespräch im chinesischen Außenministerium. Die Volksrepublik China hat sich als Gastgeber für mögliche amerikanisch-nordkoreanische Verhandlungen angeboten.

Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergieagentur, Mohammed el Baradei, sagte in Moskau, die russische Vermittlungsinitiative könnte der Schlüssel für ein Ende der Krise sein. Er setze große Hoffnungen in das Vorhaben Russlands, einen Sondergesandten, den stellvertretenden Außenminister Alexander Losjukow, in die Region zu schicken, sagte Baradei auf einer Pressekonferenz nach einem Treffen mit dem russischen Außenminister Igor Iwanow.

In der entmilitarisierten Zone an der Demarkationslinie gebe es seit einer Woche vermehrte Aktivität, sagte US-Oberstleutnant Matthew Margotta am Mittwoch, der ein Bataillon von 550 amerikanischen und südkoreanischen Soldaten nahe dem Waffenstillstandsort Panmunjom befehligt. So habe Nordkorea beispielsweise einen Grenzturm reaktiviert, der jahrelang leer gestanden sei. Insgesamt seien die Vorgänge "nicht alarmierend, nur ungewöhnlich", sagte Margotta. In der vier Kilometer breiten und 241 Kilometer langen entmilitarisierten Zone kam es in der Vergangenheit zu zahllosen gewaltsamen Konfrontationen. Nordkorea hat 70 Prozent seiner Streitmacht von insgesamt einer Million Soldaten nahe der Grenze stationiert.

Nordkorea hat den USA die Schuld an der zunehmenden Verbreitung von Atomwaffen gegeben. Kernwaffen seien 1945 erstmals von Amerika eingesetzt worden, hieß es am Mittwoch in einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Seitdem nutzten die USA ihr massives Nuklearwaffenarsenal dazu, andere Länder "zu bedrohen, zu erpressen und zu beherrschen und zugleich selbst die strategische Übermacht zu bewahren". (APA/Reuters/AP)