Bozen - Elisabeth Zissernig Rastbichler könnte einen Krimi zur Entdeckung und Bergung des Eismannes schreiben. Die Archäologin musste 1991 im Auftrag von Professor Konrad Spindler von der Universität Innsbruck die Fundgeschichte Ötzis recherchieren.

Am Mittwoch war die junge Frau wichtige Zeugin beim Prozess der Ötzi-Finder Erika und Helmut Simon aus Nürnberg gegen das Land Südtirol. Die Archäologin hatte 1991 die 22 Personen befragt. Unter ihnen waren auch die Südtiroler Extrembergsteiger Reinhold Messner und Hans Kammerlander, die in den vier Tagen zwischen Fund und Bergung der Leiche den Fundort betreten hatten.

Alter war erst am Seziertisch klar

Das Aufsehen erregende Alter der Gletscherleiche war erst erkannt worden, als Ötzi bei Professor Spindler am Seziertisch lag. Die Beifunde waren von der Gendarmerie in einem Sackerl abgegeben worden. "Für den Archäologen eine Katastrophe", erklärte Rastbichler.

Ehepaar stand plötzlich vor einer Leiche

Das Bergsteigerpaar Simon habe ihr die Entdeckung der Leiche wie folgt geschildert: "Beim Abstieg von der Similaunhütte ins Schnalstal überquerten sie ein Schneefeld mit einem kleinen Schmelzwassersee. Durch Zufall gingen sie links herum und standen plötzlich vor einer Leiche, die zur Hälfte aus dem Eiswasser ragte. Im Schreck machten die Bergsteiger ein Foto (das letzte auf dem Film; Anm.), da sie Angst hatten, dass sie sich die Fundstelle nicht genau merken können und niemand ihnen glauben würde. Dann ging das Paar zurück zur Similaunhütte und meldete den Fund dem jungen Hüttenwirt Markus Pirpamer".

Der Hüttenwirt habe laut Rastbichler die Carabinieri von Schnals sowie die Gendarmerie in Sölden verständigt. Österreich habe am Tag darauf (ein Freitag; Anm.) einen Gendarmen zur Fundstelle geflogen, der mit einem Pressluftbohrer die Leiche aus dem Eis stemmen wollte. Das sei nicht gelungen. Nach einer Stunde sei er ins Tal zurückgeflogen worden und habe Ötzis Beil mit auf den Gendarmerieposten in Sölden genommen.

Funde

Schließlich sei die Leiche erst am Montag geborgen werden. Von der Gerichtsmedizin verständigt, da bei dem Toten Beil und Steinmesser gefunden worden seien, habe das Ausmaß des Fundes erst am Dienstag festgestellt werden können. Professor Konrad Spindler vom Institut für Ur- und Frühgeschichte habe der Welt mitteilen können, dass die entdeckte Gletscherleiche einige tausend Jahre alt sei. Es war die Verwandlung eines Bergtoten zur Weltsensation. (APA)