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Gregor Gysi soll TV-Moderator werden: Das gefällt nicht jedem.

Montage: derstandard.at / Fotos: Reuters/AFP

Berlin - Der Unions-Medienexperte Bernd Neumann hat den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) aufgefordert, eine Talkshow mit dem früheren PDS-Politiker Gregor Gysi abzusetzen. Es sei "abwegig und geschmacklos, einen herausgehobenen Repräsentanten der Nachfolgepartei der SED, die für 40 Jahre Diktatur und Unterdrückung in der DDR Verantwortung trug, mit der Moderatorenaufgabe in einem öffentlich-rechtlichen Sender zu betrauen", schrieb der Obmann für Kultur und Medien der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in einem Mittwoch veröffentlichten Brief an MDR-Intendant Udo Reiter. Gysis Beziehungen zur Staatssicherheit stünden "nach wie vor im Zwielicht", betonte Neumann. Die Opfer der DDR-Diktatur müssten sich verhöhnt vorkommen.

Aufforderung an Lothar Späth Auftritt zu verweigern

Gysi soll am kommenden Montag als Talk-Master erstmals im MDR auftreten. Er soll die Sendung gemeinsam mit dem CDU-Politiker Lothar Späth moderieren. Neumann forderte Späth in einem persönlichen Brief auf, nicht mit Gysi aufzutreten. Viele Bürger, "insbesondere aber die Mitglieder der CDU", würden wenig Verständnis haben, wenn ein renommierter CDU-Politiker wie Späth aus Publizitätsgründen daran mitwirke, Gysi eine öffentliche Bühne zu geben. Bereits im Dezember hatte auch Thüringens Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) beim MDR gegen die Sendungs-Pläne Protest eingelegt.

Nach Angaben des MDR hat Gysi "anhand von Stasi-Akten sowie mehreren Gerichtsurteilen glaubhaft dargelegt, dass er nicht als IM (informeller Mitarbeiter) für das MfS (Ministerium für Staatssicherheit) gearbeitet hat". Der von der Behörde für Stasi-Unterlagen verbreitete Eindruck, dass Gysi nicht oder unzureichend durch den MDR überprüft worden sei, sei daher falsch. Gegen den Auftritt Gysis hatte auch das Bürgerkomitee Leipzig für die Auflösung der ehemaligen Staatssicherheit protestiert. (APA)