Die Banken wollen ihre Kunden im Tagesgeschäft über die Gebühren im Zahlungsverkehr von teuren "manuellen" Schalterzahlungen und -Abhebungen wegbringen. Wer Karten nutzt, so gut wie nie für Bargeldzahlungen zur Bank geht und für seine Geldgeschäfte ansonsten aufs Onlinebanking oder Phonebanking setzt, kommt künftig billiger davon. Einzelne "Papierübeweisungen" oder Bargeld an der Kassa werden dafür zum Teil saftig verteuert.

Kunden anderer Banken

Rund 10.000 neue Kunden will die Erste Bank mit einem - zunächst speziell für abwanderungswillige Kunden anderer Banken aus der "Internet-Generation" geschnürten - Konto-Pauschale hinzu gewinnen. Im ersten Jahr gibt es für Neukunden das heute vorgestellte "ComfortKonto Complete" gratis, danach kostet es pauschal 9 Euro im Quartal. Darin enthalten sind alle automatisierten Transaktionen des Zahlungsverkehrs, BankCard, ProfitCard, Netbanking/Mobile Banking/Phonebanking und die Gebühren für die Kontoführung.

Ein vergleichbares Konto-Pauschale kostete in der Erste Bank bisher 10,90 Euro pro Quartal, es enthielt allerdings eben noch Gebühren für den baren Zahlungsverkehr. Nach Bankangaben war vielen Bankkunden, die ihre Geschäfte schon praktisch ausschließlich elektronisch abwickelten nicht immer bewusst, dass sie in ihren Kontopauschalen noch eine Gebühr für fünf Barzahlungen im Monat inkludiert hatten.

Allerdings

Bartransaktionen sind in dem neuen - billigeren - Pauschalpaket der Erste Bank - nicht mehr abgedeckt. Dem entsprechend kräftig teurer wird es allerdings, wenn der Kunde trotzdem auf Cash am Schalter zurück greift: Denn der Satz für "nicht automatisierte Überweisungen" beträgt dann 50 Cent (bisher 18 Cent), die Gebühr für Bargeld an der Bank-Kassa steigt sogar auf 1,50 Euro (bisher ebenfalls 18 Cent).

Freilich seien die Bankmitarbeiter angehalten, dem Kontoinhaber bei der außertourlichen Auszahlung einer größeren Bargeldsumme etwa für einen Autokauf nichts zu verlangen, sagte e-business-Manager Peter Neubauer von der Erste Bank am Mittwoch vor Journalisten. Es gehe vor allem ums Tagesgeschäft, wo man die Kunden zur stärkeren Nutzung der elektronischen Kanäle bringen will. "Die derzeitigen Preismodelle hatten zu wenig Anreizeffekt."

Trotzdem Verbilligungen

Wer als Nutzer elektronischer Bankgeschäfte kein Pauschalkonto wählt, wird trotzdem mit Verbilligungen belohnt. So etwa werden für diese Zielgruppe in der Erste Bank die Kontoführung (4,50 statt 5 Euro pro Quartal) und auch einzelne Gebühren für automatisierte Transaktionen auch außerhalb des Pauschales etwas günstiger angeboten.

Im zweiten Quartal 2003 will die Erste Bank auch für ihre bestehende Klientel ein ähnliches Pauschalkonto anbieten. Pensionisten oder automations-resistente "Bargeld-User" haben aber keine Zwangsumstellung zu fürchten, wird betont. Wenn es für sie günstiger ist, beim bisherigen Zahlungsverhalten und bei ihrem alten Kontopaket zu bleiben, müssen sie für einzelne Bartransaktionen die höheren Sätze nicht berappen.

Der private Zahlungsverkehr ist bei allen österreichischen Banken, so auch bei der Erste Bank, defizitär. Man strebe natürlich Kostendeckung an, zunächst gehe es um die Verbesserung der Kosten/Ertrags-Relation, so die Erste Bank. Teure Zeit, die man sich mit der Reduktion manueller "Papier"-Abwicklungen am Schalter erspare, wolle man in die Beratung investieren.

Unabhängig von den jetzigen neuen Preismodellen ist die Erste Bank momentan noch dabei, die gemäß Indexklausel bis Ende 2002 ein Jahr lang eingefrorenen Gebühren neu zu kalkulieren. Wo es dabei in den nächsten Monaten nach oben geht, wurde heute nicht bekannt gegeben.(APA)