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Kloster am Berg Athos

Foto: Archiv

Straßburg/Athen - Das Europäische Parlament hat am Mittwoch mehrheitlich die Aufhebung des seit dem 10. Jahrhundert geltenden "Avaton", des Verbots des Zutritts für Frauen auf den Heiligen Berg Athos, gefordert. Der Sonderstatus der orthodoxen Mönchsrepublik auf der nordgriechischen Ägäis-Halbinsel Chalkidike würde gegen das Gleichbehandlungsprinzip verstoßen, meinten die Parlamentarier in Straßburg.

In den Beitrittsverträgen Griechenlands mit der damaligen EG war 1981 der Sonderstatus von Athos mit dem "Avaton" ausdrücklich verankert worden. 1989 hatte die EU beschlossen, dass die mit dem europäischen Binnenmarkt wirksam werdende Freizügigkeit der Niederlassung nicht für die Mönchsrepublik Gültigkeit hat.

Kein souveräner Staat

Ebenso wie der Vatikan ist Athos ein Territorium, auf dem Menschen sterben, aber niemand geboren wird. Aber anders als der 0,44 Quadratkilometer große Vatikan, der 1929 durch die Lateranverträge ein souveräner Staat wurde, ist die 336 Quadratkilometer große Mönchsrepublik nicht souverän, sondern ein Kondominium unter der gemeinsamen Herrschaft Griechenlands und des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel (der türkischer Staatsbürger sein muss) (seit 1991 Bartholomaios I.)

Athos verfügt zwar über eine vom griechischen Parlament und vom Phanar sanktionierte Verfassung, über eine eigene Regierung, ein Parlament und eine eigene Gerichtsbarkeit. Völkerrechtlich ist die Mönchsrepublik aber nicht vertragsfähig. Die zwanzig Großklöster, von denen jedes kirchenrechtlich den Rang eines Bistums besitzt, sind Selbstverwaltungseinheiten. Der die staatliche Aufsicht ausübende griechische Gouverneur ist dienstrechtlich den Präfekten der griechischen Verwaltungsbezirke gleichgestellt, untersteht aber nicht dem Innen-, sondern dem Außenministerium in Athen.

Für den heutigen Status des Heiligen Berges, der seit 1430 unter osmanischer Oberhoheit gestanden war, trägt indirekt Österreich-Ungarn die Verantwortung. Nach dem zweiten Balkankrieg 1913 wurde er als souveränes Staatswesen mit den orthodoxen Staaten als Schutzmächten konzipiert. Österreich-Ungarn erhob auf der Londoner Konferenz Anspruch darauf, ebenfalls als Schutzmacht anerkannt zu werden. Wegen der österreichischen Haltung kam die Konferenz zu keinem Ergebnis. Die Mönche erklärten sich ihrerseits als vom Ökumenischen Patriarchat abhängige geistliche Gemeinde außer Stande, einen weltlichen Staat zu bilden. (APA)