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Wien - Kritik am Verkauf des 14-prozentigen EVN-Anteils des Verbunds an die steirische EStAG äußerte EVN-Chef Rudolf Gruber hat am Donnerstag im Gespräch mit der "Presse": Es sei ein "fundamentaler Fehler des Verbundvorstandes". Dieser handle "verantwortungslos" - ebenso wie der Verbund-Mehrheitsaktionär in Person von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V), der "hier einfach zuschaut", heißt es in der Freitag-Ausgabe.

Laut Gruber gehe es um die Zukunft der heimischen Wasserkraft. Gerade vor dem Hintergrund der rasch veralternden europäischen Kernkraft-Versorgung habe die Wasserkraft enorme Zukunftsbedeutung. In dieser Situation sollte man nicht ans Ausland verkaufen, sondern "alles behalten, was man hat".

Unklare Strategie

Gruber plädierte erneut dafür, die wechselseitigen Beteiligungen der an der österreichischen Stromlösung beteiligten Unternehmen Verbund und EnergieAllianz aufrecht zu erhalten. EVN, Wiener Stadtwerke und die Tiroler Tiwag, die allerdings nicht Teil der österreichischen Stromlösung ist, halten zusammen eine Sperrminorität am Verbund.

Gruber ist dem Bericht zufolge die Strategie hinter dem Kauf der EVN-Aktien nicht klar, da einem ausländischen Konzern ein beherrschender Einfluss aufgrund der verfassungsrechtlich vorgeschriebenen öffentlichen Mehrheit an den österreichischen Versorgern ohnehin nicht möglich sei. Es handle sich um eine "äußerst primitive" Politik.

Kleinaktionärsvertreter: "Nicht sehr glücklich"

"In den Couloir-Gesprächen hatte man aber den Eindruck, dass die EVN nicht sehr glücklich darüber ist", schildert Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger vom Interessensverband der Anleger (IVA) die Situation bei der am Donnerstag in Maria Enzersdorf abgehaltenen Hauptversammlung.

Die EStAG, an der der französische Energieriese EdF eine Sperrminorität hält, hatte am Mittwoch ihre Absicht bekundet, vom Verbund 14 Prozent EVN-Aktien zu kaufen sowie an weiteren 6,5 Prozent, die der Energie AG Oberösterreich (EAG) gehören, interessiert zu sein. Zusammen mit den bereits gehaltenen EVN-Anteilen wäre dann die Sperrminoritäts-Grenze überschritten. Spekulationen zufolge könnten die Anteile dann direkt oder indirekt an die EdF weiter verkauft werden.

Mit 25 Prozent könne die EdF "viel Sand" ins österreichische Strom-Getriebe streuen, besondere Nachteile für EVN-Kleinaktionäre, seien aber nicht zu erkennen. "Wenn 75 Prozent der EVN in festen Händen sind, könnte die EVN aber als Indexwert herunter gestuft werden." Wenig Begeisterung seitens des Vorstandes habe es für das Aktionärs-Anliegen gegeben, den Corporate Governance-Kodex zu unterschreiben: "Man hat gesagt, man wird es prüfen - eine freundliche Nullaussage", so Rasinger. (APA)