Berlin - Unter dem Titel "Anwalt ohne Recht" ist im Deutschen Bundestag am Mittwoch eine Ausstellung über das Schicksal jüdischer Anwälte während der Nazizeit eröffnet worden. Anhand von Einzelschicksalen zeigt sie Verfolgung, Ausgrenzung und Mord. Bei der Eröffnung forderte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, Ausgrenzung und Stigmatisierung in der Gesellschaft nicht zu dulden. Bereits den Anfängen müsse entgegengewirkt werden.

Nach Hitlers Machtantritt 1933 hatten SA-Truppen in vielen Städten die Gerichtsgebäude gestürmt und gefordert, jüdische Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte zu entfernen. Am 30. November 1938 erhielten diese endgültig ein Berufsverbot. Alle jüdischen Anwälte verloren ihren Beruf, ein großer Teil wurde von den Nazis ermordet.

Thierse sagte, die Anwaltskammern hätten zu den entwürdigenden Vorfällen meist geschwiegen. Nicht wenige Anwälte hätten von der Verdrängung ihrer Berufskollegen sogar profitiert. Das Schicksal der jüdischen Anwälte sei lange Zeit kaum beachtet worden. Es habe mehr als fünfzig Jahre gedauert, bis die Standesvertretung der Rechtsanwälte der Verfolgung ihrer jüdischen Kollegen gedachte.(APA/dpa)