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Robert Mugabe

Foto: REUTERS/Patrick Kayukwa

Harare/Wien - Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man fast lachen: Die von Hunger, Inflation und Mangelwirtschaft geplagte Bevölkerung Simbabwes darf künftig nicht mehr ungestraft ihrem Unmut über Präsident Robert Mugabe Luft machen. Ein neuer Passus in der Straßenverkehrsordnung stellt unanständige Gesten, Flüche oder Grimassen beim Passieren von Mugabes Autokonvoi unter Strafe.

Mugabe ist normalerweise mit einer aus 24 Fahrzeugen bestehen Wagenkolonne unterwegs, die mit hoher Geschwindigkeit und heulenden Sirenen durch das afrikanische Land fährt. Beim Herannahen des Konvois, zu dem auch die mit automatischen Waffen ausgerüstete Leibwache Mugabes gehört, muss der übrige Verkehr sofort halten. Wer nicht stoppt, riskiert beschossen zu werden. Das ist Simbabwe heute.

Ein weiteres Detail aus dem Sittenbild: Ein Flug von Air Simbabwe wurde eigens für Mugabe und seine Frau Grace nach Madrid umgeleitet: Das Präsidentenpaar wollte damals dort einen Anschlussflug nach Kuba erreichen. In Madrid mussten die Reisenden den Angaben zufolge dann auch noch noch stundenlang in großer Hitze warten, weil die Besatzung nicht die passende Währung parat hatte, um die frische Tankfüllung zu bezahlen. Statt Euro hatte sie nur US-Dollar bei sich.

Auch die umstrittene Landreform hat ihre Eigenheiten: Nahezu der gesamte Freundeskreis und die näheren Verwandten von Mugabe wurden mit Farmen bedacht, obwohl das frei gewordene Ackerland armen schwarzen Bauern zukommen sollte.

"Auch nur ein Mensch"

Auch Simbabwes Botschafter in Österreich, Tirivafi John Kangai, griff zu. Er erhielt eine 221 Hektar große Farm im Distrikt Zvimba in der Provinz Mash West, die früher einem gewissen Peter Horsman gehörte. Diesen Besitz gab Botschafter Kangai gegenüber dem STANDARD ungern, aber doch zu: "Auch Botschafter sind nur Menschen." Alle Simbabwer hätten schließlich ein Anrecht auf Grund und Boden nach einer Neuverteilung. Im Übrigen sei DER STANDARD eine Zeitung, die nur regierungsfeindliche Propaganda verbreite. Auch die BBC arbeite ähnlich schleißig, wetterte Kangai. Seine Farm ist nach simbabwischen Maßstäben aber eher klein: Der Superindendant der Polizei darf sich über eine Farm freuen, die 2863 Hektar groß ist. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.1.2003)