Hochrangige Vertreter der Europäischen Union waren gleich vierfach vertreten, doch die Botschaft war einfach: "Die Europäische Union ist hier, um die Reise nach Europa gemeinsam mit Bosnien anzutreten", erklärte der außenpolitische Koordinator der Union, Javier Solana, bei der offiziellen Eröffnung der EU-Polizeimission für Bosnien-Herzegowina (EUPM) am Mittwoch in Sarajewo. Gemeinsam mit dem Hohen Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft für Bosnien, Paddy Ashdown, und EUPM-Kommissar Sven Frederiksen begrüßte Solana rund 500 Polizisten aus insgesamt 33 Staaten, die seit Jahresbeginn die Arbeit ihrer 18.000 bosnischen Kollegen beaufsichtigen sollen.

Neben der Reform des bosnischen Polizeiapparats, der auch sieben Jahre nach Kriegsende noch stark von Korruption geprägt ist, soll die EUPM auch den Waffen-, Drogen- und Menschenhandel eindämmen.

Solanas Lob für die erste EU-Operation unter dem Dach ihrer Gemeinsamen Außen-und Sicherheitspolitik (Gasp) schloss sich auch George Papandreou an, der Außenminister Griechenlands, das seit Jahresbeginn die EU-Präsidentschaft innehat. Darüber hinaus verwies er auf die Vorteile der Mission für die bosnische Bevölkerung: "Die Entsendung der EUPM ist ein deutlicher Beweis dafür, dass der Balkan für die EU weiter höchste Priorität genießt. Mithilfe dieser Polizeimission wird es Bosnien gelingen, einen funktionierenden Rechtsstaat aufzubauen, der eines Tages als Vollmitglied in der Europäischen Union integriert sein wird."

Experimentierfeld

Doch mehr als ein Jahrzehnt, nachdem die Union in Maastricht die Grundzüge ihrer bis heute kaum praktizierten Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik skizzierte, ist Bosnien weiterhin eher ein Experimentierfeld für Brüssels ambitionierte Pläne als ein baldiger Beitrittskandidat. So wollte Papandreou gegenüber dem STANDARD keine Daten für den Beginn von möglichen Beitrittsverhandlungen nennen, kündigte aber für Februar einen genauen Zeitplan für die Übernahme der bisher von der Nato geführten Bosnien-Schutztruppe Sfor durch die EU an.

Auf ihrem Gipfel in Kopenhagen hatten die EU-Staats-und Regierungschefs im Dezember beschlossen, das Sfor-Kommando zu übernehmen, den Zeitpunkt jedoch offen gelassen. Solana wollte die Planungen ebenfalls nicht präzisieren, ließ aber "keinen Zweifel daran, dass die EU über die notwendigen sicherheitspolitischen Kapazitäten" verfüge, nach der internationalen Polizei auch das militärische Oberkommando in Bosnien zu übernehmen. Dem STANDARD sagte er, dass Brüssel den Führungswechsel verbinden wolle mit einer weiteren Reduzierung der zurzeit 12.000 Soldaten starken Schutztruppe. Die Nato-Führung will ihre Pläne zur Verkleinerung der Einheit bis zum Sommer vorlegen. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.1.2003)