Wien - Friedhofsschändungen, anonyme Beschimpfungen, körperliche Übergriffe: Die Islamische Glaubensgemeinschaft ortet ein zunehmend islamfeindliches Klima in Österreich. Mit verstärkter Aufklärung und einem neugeschaffenen Preis für gelungene Integration soll dieser Entwicklung entgegen getreten werden.

Für den Präsidenten der Gemeinschaft, Anas Schakfeh, ist der drohende Krieg gegen den Irak ein wichtiger Grund, auf die Problematik hinzuweisen. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien präzisierte die Vereinigung ihre Sorgen.

Aufgrund der weltpolitischen Lage werde der Islam immer wieder mit Terror und Krieg in Verbindung gebracht. Während nach den Anschlägen vom 11. September noch ein verstärktes Interesse am Islam feststellbar war, ist dieses nun erlahmt und hat Vorurteilen Platz gemacht, bedauert Carla Amina Baghajati, Pressesprecherin der Gemeinschaft.

Als Beispiel für das rauere Klima führt sie beispielsweise die neuerliche Verwüstung muslimischer Gräber am Linzer Friedhof im Dezember an. An einer Wiener Schule sei ein Arbeitspapier zum Thema Islam ausgegeben worden, in dem die fünf Säulen in Richtung Kriegsvorbereitung umgedeutet wurden.

Präsident Schakfeh zeigte sich zwar überzeugt, dass "das Verhältnis zwischen Muslimen und der übrigen Bevölkerung in Österreich besser als im Rest Europas ist", dennoch sei ein verstärkter Dialog notwendig.

Um die Integrationsbemühungen beider Seiten zu fördern, soll auch ein eigener Preis ins Leben gerufen werden. Benannt wird er nach Muhammad Assad. Der in der Donaumonarchie als Leopold Weiss geborene Assad konvertierte vom jüdischen zum islamischen Glauben und war maßgeblich an der Gründung Pakistans beteiligt. (moe/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16. 1. 2003)