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Washington/Wien - Goldie heißt das Schwein, das Medizinern neuen Mut zu Xenotranplantationen macht, zu Verpflanzungen von tierischen Organen in den Menschen. Was an Goldie so besonders ist? Es ist eine geklonte Miniaturausgabe eines Schweins, die gentechnisch modifiziert wurde: Goldies Organen fehlt ein Gen, das bei einer Transplantation für Abstoßungsreaktionen sorgen würde, und sie sind relativ klein. Das von einer US-Biotechnologiefirma produzierte Schwein wurde nun der internationalen Fachwelt vorgestellt, berichtet New Scientist.

Bei der Herstellung des potenziellen menschlichen Ersatzteillagers wurden aus seinem Erbgut beide Kopien des Gens "Alpha-1-Galactosyltransferase" herausgeschnitten. Dieses codiert für ein Enzym, das einen Zucker auf den Oberflächen der Schweinezellen platziert. Und genau dieser Zucker würde bei einer Organtransplantation vom menschlichen Immunsystem als fremd erkannt, angegriffen, das Organ würde abgestoßen. Goldie jedoch fehlten diese Genkopien, erklärten ihre Erschaffer.

Das Schwein habe deshalb geklont werden müssen, erläuterten die Wissenschafter weiters, weil allein dadurch habe sichergestellt werden können, dass in sämtlichen Zellen, die sich in Goldie entwickeln würden, diese beiden Genkopien fehlen. Goldie sei ein so genanntes Double-Knockout-Schwein.

"Double-Knockout"

Dieses für eine künftige Xenotransplantation viel versprechende Schwein ist nicht das erste seiner Art. Vergangenen August konstruierte eine schottische Bichotechfirma gleich fünf derartige Double-Knockout-Schweine: Noel, Angel, Star, Joy und Mary. Goldie unterscheidet sich von ihnen jedoch durch die Größe, die ebenfalls mit einem gentechnischen Eingriff verkleinert wurde. Damit entsprechen die Schweineorgane exakt der Größe von Menschenorganen.

Kritiker von Tier-Mensch-Verpflanzungen geben zu bedenken, dass dabei für Schweine harmlose Viren mitverpflanzt würden, die sich im Menschen zu fatalen Krankheitserregern entwickeln könnten. Laborversuche mit Goldie hätten jedoch gezeigt, dass dies nicht der Fall sei. Daher sollen nun - nach Herstellung weiterer Miniaturschweine - die ersten Organe in Primaten verpflanzt werden. Funktioniere es, werde man um Erlaubnis für erste Menschenversuche bitten.

Tausende Patienten sterben jedes Jahr, während sie auf viel zu wenig vorhandene Spenderorgane warten. Und die Technik, Ersatzorgane aus Stammzellen zu erzeugen, wird wohl erst in einigen Jahren ausgereift genug sein. (fei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16. 1. 2003)