Wien - "Dirty Harry" Callahan hat es ignoriert, John "Stirb langsam" McClane ebenso und der "Bad Lieutenant" im Drogenrausch wohl darauf vergessen: Das so genannte Miranda-Gesetz, das der US-Exekutive vorschreibt, Verdächtigen vor ihrem Verhör ihre Rechte zu verlesen.

Aus anderen Filmen sind die Phrasen auch hierzulande bekannt: "Sie haben das Recht zu schweigen. Alles was Sie sagen, kann vor einem Gericht gegen Sie verwendet werden. Sie haben das Recht auf einen Anwalt, sollten Sie sich keinen leisten können, kann Ihnen ein Anwalt vom Staat zur Verfügung gestellt werden."

Entstanden sind diese Sätze nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofes der USA vom 13. Juni 1966 zum Fall Ernesto Miranda gegen den Bundesstaat Arizona. Miranda war 1963 wegen eines Diebstahls verhaftet worden. Im Verhör, bei dem ihm kein Anwalt angeboten worden war, gestand er auch das Kidnapping und die Vergewaltigung einer 18-Jährigen.

Verurteilung

Aufgrund des Geständnisses wurde er verurteilt, sein Anwalt berief. Der Oberste Gerichtshof stellte eine Verletzung von Mirandas Rechten fest und hob die Verurteilung auf.

Seit damals müssen Polizeibeamte in den USA Verdächtigen vor einem Verhör ihre Rechte verlesen. Wird ein Anwalt verlangt, muss das Verhör unterbrochen und ein Gespräch zwischen Anwalt und Verdächtigem ermöglicht werden. Werden diese Rechte verletzt, dürfen keine damit erlangten Beweise vor Gericht verwertet werden.

Ernesto Miranda wurde übrigens in einem zweiten Verfahren erneut schuldig gesprochen. Nach seiner Entlassung wurde er im Jahr 1976 bei einem Streit erstochen. Ein Verdächtiger musste mangels Beweisen freigelassen werden: Er hatte von seinem Recht zu schweigen Gebrauch gemacht. (moe, DER STANDARD Printausgabe 6.1.2003)