Straßburg - Tierversuche für die Herstellung von Kosmetikprodukten und der Verkauf solcher Erzeugnisse werden spätestens bis 2009 in der EU weitgehend verboten sein. Nur drei Testkategorien, für die es noch keine Alternativmethoden gibt und der Verdacht auf Krebs erregende Substanzen besteht, dürfen bis 2013 weiter durchgeführt werden.

Rund ein Viertel aller Tierversuche, für die es bereits Alternativmethoden gibt, werden in achtzehn Monaten untersagt. Einer entsprechenden Gesetzesvorlage stimmte das Europäische Parlament am Mittwoch in Straßburg zu. Der Kompromiss wurde in einem Vermittlungsverfahren zwischen Parlament und EU-Ministerrat ausgearbeitet.

Alternativen

Mit dem Test- und Verkaufsverbot für entsprechend hergestellte Kosmetika soll die Entwicklung anderer Testmethoden gefördert werden. Bei der Bewertung und Anerkennung der alternativen Verfahren will die EU nicht auf die OECD warten, sondern vorangehen. Im EU-Ministerrat hatten zunächst vor allem Frankreich und Großbritannien konkrete Fristen für das Verbot abgelehnt und gefordert, die langwierige OECD-Auswertung alternativer Untersuchungen abzuwarten.

Neben der weitgehenden Beendigung der jährlich rund 50.000 Tierversuche, die zum Teil auch für bereits am Markt befindliche Produkte wiederholt werden, räumt die neue EU-Vorschrift auch dem Schutz der Gesundheit breiten Raum ein. So muss die Mindesthaltbarkeit der Kosmetikaprodukte klar auf der Verpackung angegeben werden. Der Verbraucher muss überdies darüber unterrichtet werden, wie lange er ein bereits geöffnetes Produkt ohne gesundheitliche Gefährdung benutzen kann, welche Mengen gefährlicher Substanzen die Waren enthalten sowie über ihre möglichen gesundheitsschädigenden Auswirkungen. Als Symbol für die Etikettierung soll ein geöffneter Cremetopf verwendet werden.

Schutzbestimmungen

Zum Schutz der Konsumenten vor Allergien müssen 26 Riechstoffallergene gekennzeichnet werden. Bestimmte krebserzeugende, erbgutschädigende oder fortpflanzugsgefährdende Stoffe (KEF-Stoffe) dürfen nicht mehr in Kosmetika verwendet werden.

Die grüne Europa-Abgeordnete Hiltrud Breyer begrüßte die Annahme der Kosmetik-Richtlinie, die jetzt zum siebten Mal geändert wurde, als Erfolg. Krebs erregende Haarfärbemittel oder Gesichtscremes dürften nicht einfach in Kosmetikprodukten verwendet werden. Ursprünglich wollte der EU-Ministerrat solche Substanzen zunächst erlauben, und erst nach einer Risikobewertung über ein Verbot entscheiden.(APA)