Das Kanzleramt und das Außenministerium sollten nicht von derselben Partei besetzt werden, sagt SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer. Warum nicht? Damit Gusenbauer in einer schwarz-roten Koalition Außenminister werden kann, wie indiziengestützt gemutmaßt werden kann? Es ist ein schöner, wenn auch anstrengender Job, man sitzt gleich im Kanzleramt (physisch sowieso und im übertragenen Sinn auch: Kreisky und Schüssel waren zuerst Außenminister, ehe sie Kanzler wurden). Es gibt allerdings Probleme: Schüssel möchte Benita Ferrero-Waldner als Kandidatin für die Bundespräsidentschaft im Blickpunkt der Öffentlichkeit halten. Die Lösung: Ferrero wird Europaministerin und Gusenbauer kriegt den Rest der Welt. Oder: Gusenbauer nimmt entweder ein wirklich schweres Ressort (Finanz- oder Sozialminister) oder er hält sich ganz frei fürs Koalitionsmanagement, als Vizekanzler ohne Portefeuille. Das tat z.B. der spätere Bundespräsident Adolf Schärf in den Fünfzigerjahren. Denn ob die großen Reformen, um derentwillen Gusenbauer ja in erster Linie in eine Koalition unter dem Kanzler Schüssel gehen will, von einem (abgemagerten) Außenministerium aus zu managen sind, ist die Frage. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.1.2003)