Wien - Mit einer Debatte über den Verlauf der Sondierungsgespräche mit der ÖVP haben die Freiheitlichen Donnerstag Vormittag ihre Klubklausur im Parlament begonnen. Vor Beginn der Sitzung deutete Parteichef Herbert Haupt an, dass sich dabei die Geduld der FPÖ schön langsam dem Ende zuneigt. Für den von der FPÖ ins ÖVP-Team gewechselten Finanzminister Karl-Heinz Grasser möge es zwar bequem sein, das Budget immer nur fortzuschreiben und sich nicht den Kopf zerbrechen zu müssen. Es sei jedoch an der Zeit, dass Österreich eine voll funktionsfähige Regierung erhalte.

Dementsprechend positiv wertete Haupt auch gestrige Aussagen von Verteidigungsminister Herbert Scheibner, wonach die FPÖ nicht den Notnagel für die ÖVP spielen werde und die Volkspartei es mit dem Taktieren nicht übertreiben solle. Scheibner sei damit ein "Sprachrohr" für die Interessen der Bürger, erklärte der Parteiobmann. Ob eine Koalition mit der ÖVP zu Stande kommt, wird bei den Freiheitlichen unterschiedlich eingeschätzt. Während Kärntens Landeschef Martin Strutz die Chancen mit 50:50 angab, meinte etwa Parteivize Max Walch, wie es aussehe, sei Schwarz-Rot schon ausgemachte Sache.

Verstärkt werden die 18 neu gewählten Nationalräte - wie bei Klubklausuren üblich - von den Bundesräten und den EU-Parlamentariern. Neu ist, dass diesmal auch die Länderorganisationen mit Spitzenrepräsentanten vertreten sind. Unter anderem mit dabei sind Strutz, der Tiroler Obmann Willi Tilg sowie sein steirischer Kollege Leopold Schöggl. Zu Beginn der Sitzung nicht anwesend war der Dritte Nationalratspräsident und Parteivize Thomas Prinzhorn. Gleiches gilt für Justizminister Dieter Böhmdorfer, der trotz seines Abgeordneten-Status parallel eine Pressekonferenz gibt.

Der Vormittag steht beim heutigen ersten echten Tag der Klubklausur (am Mittwoch gab es eine Einschulung der Neu-Abgeordneten) ganz im Zeichen der Sondierungsgespräche, über die Haupt referieren wird. Anschließend - gegen elf Uhr - ist ein Pressestatement geplant. Am Nachmittag widmen sich die Abgeordneten den Themenbereichen Staatsreform und Gesundheit, wozu Rechnungshof-Präsident Franz Fiedler und der Gesundheitsexperte Wolfgang Huber als Referenten erwartet werden.

Erst am Freitag wird über die Pensionen diskutiert. Auch die Wahl der Bereichssprecher sowie der Ausschuss-Mitglieder wird vermutlich erst morgen über die Bühne gehen. Eine Entscheidung gab Haupt bereits vor Beginn bekannt. Die Presseagenden der Bundespartei werden künftig "ehrenamtlich" von seinem Sprecher Gerald Grosz betreut, der damit Kurt Lukassek folgt. Gerald Grosz schmückt sich somit künftig mit dem Titel "Bundespressesprecher". Klar ist mittlerweile auch die Nachfolge von Josef Moser als Klubdirektor. Seine Aufgabe hat der bisherige Klubjurist Robert Prohaska übernommen. (APA)