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Foto: EPA/Yuri Kadobnov

Seit dem 25.12.1991 gibt es die Sowjetunion nicht mehr. Aus Karten, Atlanten und dem Sprachgebrauch gestrichen, blieb der Name in die Gedächtnisse der Menschen eingeprägt - für die Einen mit einem schlechten, für die Anderen mit einem guten Nachgeschmack. Die wirtschaftliche Situation in vielen Ländern der ehemaligen Sowjetunion sorgt dafür, dass der Wunsch einer Renaissance dieser Zeit immer stärker aufkeimt. Während dies in der Realität unmöglich scheint, gibt es die Sowjetunion ohnehin längst noch immer - und zwar virtuell.

ccTLD ohne Staat

Wie auch Papier so sind auch Domains geduldig. So ist es etwa möglich, dass Länder, die in US-Diktion als "Schurkenstaaten" zu bezeichnen sind, etwa der Irak oder Nordkorea, eine eigene Domain besitzen, diese aber nicht vergeben werden darf. Andererseits ist es auch möglich, dass ein Land, das jedoch kein Staat ist, eine eigene Internet-Top-Level-Domain (ccTLD) aufweist - so etwa Palästina.

Doppeltes Russland

Auch in Russland beziehungsweise den Ländern der ehemaligen Sowjetunion gibt es eine ccTLD ohne Staat. Die Top-Level-Domain ".su" wurde 1990 von der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) eingeführt und ist nach dem Ende der Sowjetunion nicht mit dieser untergegangen. Dies war etwa bei der Tschechoslowakei der Fall - hier verschwand die Endung ".cs" mit der Spaltung der Länder. Vom ehemaligen Jugoslawien blieben die Teilrepubliken Serbien und Montenegro und die autonomen Provinzen Kosovo und Wojwodina übrig und mit diesen auch die Endung ".yu". Das Ru-Center, zuständig für die Domain-Vergabe in Russland, bietet ".su"-Endungen auch weiterhin zum Kauf an, allerdings fünfmal so teuer wie die Endung ".ru" (100 statt 20 Dollar pro Jahr). Die ICANN hat nun allerdings erklärt die ccTLD ohne Staat endgültig abschaffen zu wollen.

Russen wollen ihre virtuelle Sowjetunion

Eigentlich hätte die TLD ".su" nach der Einführung von ".ru" nur noch kurze Zeit weiter bestehen und dann aufgelassen werden sollen, doch nach einer Online-Umfrage der nichtkommerziell orientierten Organisation "Fund for Internet Development" (FID), bei der sich russische Internet-User für die Beibehaltung der ".su"-Domain aussprachen, ist es still um die geplante Abschaffung geworden. Um Cybersquatter vom Domainsammeln abzuhalten, dürfen sich bis April 2003 nur Firmen mit Markennamen eintragen lassen.

Domain-Wirrwarr

Diese Vorgehensweise stößt bei der ICANN auf wenig Gegenliebe. Allerdings wird man nur sehr schwer für eine Abschaffung der ".su"-TLD eintreten können, wenn auch auf anderen Gebieten ein regelrechtes Domain-Wirrwarr herrscht. So sehen die ICANN-Richtlinien vor, dass eine ccTLD auf der so genannten ISO-Liste stehen muss um Gültigkeit zu haben. Die Endung ".su" findet sich dort freilich nicht, allerdings auch nicht die Europa und EU-Doamin. Auch Großbritannien ist in dieser Liste zu finden, einmal unter GB und auch unter der ccTLD ".uk".

Politische Frage

Die Vorgehensweise der ICANN hat viele Kritiker auf den Plan gerufen. Diese meinen, dass zu viel Willkür herrschen würde und einige Entscheidungen eindeutig nach politischen Motiven getroffen werden würden. In ihrer Declaration of Independence of ccTLDs from Foreign Control haben Kim G. von Arx und Gregory R. Hagen die Forderung postuliert, dass die ccTLDs nicht mehr der ICANN - und damit möglicherweise von der US-Regierung kontrolliert - unterstehen , sondern die Länder selbst für die Vergabe sorgen sollen. Eine interessante Diskussion und Details zum Thema finden sich bei telepolis.(gk)