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Foto: Archiv

Graz - Am obersteirischen Stiftsgymnasium Admont hat sich zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate ein Schüler umgebracht. Völlige Ratlosigkeit herrschte in der Direktion des Admonter Stiftsgymnasiums: "Man steht da und fragt sich, wie es weitergeht", so der Direktor des Gymnasiums, Pater Gebhard Grünfelder. Konkrete Konzepte für etwaige Präventionsmaßnahmen lägen nicht vor, zumal es auch im jüngsten Fall "keinerlei Anzeichen" für die Verzweiflungstat gegeben habe.

Selbstmord per SMS angekündigt

Wie die "Kleine Zeitung" berichtete, sprang ein 13-jähriger Bub aus dem dritten Stock seiner Schule. Kurz zuvor hatte der Bub noch ein SMS an seine Eltern geschickt und den Selbstmord angekündigt. Als die Eltern das SMS lasen, war es bereits zu spät.

Keine Schulprobleme

"Der Junge hatte keinerlei schulische Probleme, er war ein passabler Schüler, war kein Außenseiter in der Klassengemeinschaft und auch daheim war alles in Ordnung", so der Direktor, der sich bestürzt und fassungslos über den Selbstmord zeigte. "Wir sind alle verzweifelt, Lehrer, Schüler und Eltern", so der Pater. "Wir haben keinerlei Anzeichen bemerkt und das macht uns umso betroffener", gesteht der Schulleiter.

Sprung aus dem dritten Stock

Wie der Gendarmerieposten in Admont bestätigte, dürfte der 13-jährige Bub um 13.45 Uhr aus dem Gangfenster des dritten Stockes der Schule gesprungen sein. Das leblose Kind wurde allerdings erst rund eine halbe Stunde später vom Schulwart gefunden, der von den beunruhigten Eltern alarmiert worden war.

Psychologe für die Schule

Von Seite der Schulpsychologischen Beratungsstelle des Landes Steiermark wurde der Lehranstalt ein Psychologe zur Seite gestellt. Ob es Konsequenzen für den Leiter der Schule, an der sich in kürzester Zeit zwei Kinder das Leben genommen haben, geben wird, ist vorerst unklar: Der Vorsitzende des Schulerhaltervereines des Benediktinerstift Admont, Abt Bruno Hubl, war am Donnerstagvormittag, für ein Gespräch nicht erreichbar.

Zusammenhänge zwischen den Selbstmorden nicht wahrscheinlich

Dass das Schulklima mit den beiden Selbstmorden zusammenhängen könne, wollte der Pater nicht gelten lassen: "Es ist uns wichtig, in einer Atmosphäre der gegenseitigen Achtung und des Vertrauens die Persönlichkeit des Einzelnen und die Gemeinschaft zu fördern. Jetzt stehen wir da und fragen uns: 'Was haben wir falsch gemacht?'." Das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrern und Schülern sowie unter den Schülern selbst schätze er als "sehr gut" ein. "Wenn sich jemand nicht öffnet, kann man ihm aber auch nicht helfen", so der Direktor.

Soziales Netz stärken

"Wir müssen auf alle Fälle das soziale Netz an der Schule stärken", erklärte der im Landesschulrat für Steiermark zuständige AHS-Landesschulinspektor Robert Hinteregger. Für kommenden Dienstag wurde für das Admonter Stiftsgymnasium bereits eine so genannte Pädagogische Konferenz einberufen, an der man sich Schritte zur Vermeidung möglicher weiterer Vorfälle überlegt. Der Landesschulinspektor denkt u.a. an eine spezielle Anlaufstelle für die Schüler.

"Auch wir stellen uns die Frage, warum die Fälle gerade im Zusammenhang mit der Admonter Schule auftreten, vehement", so Hinteregger. Nach seiner Wahrnehmung herrsche nämlich gerade dort "ein hoher Grad an Eingebundensein der Schüler in die Schule und eine Portion an Liberalität, die den Schülern Freiräume lässt". Die beiden Vorfälle seien daher "umso rätselhafter". Der Schulleitung attestierte der Inspektor einen "fürsorglichen Erziehungsstil".

Schülerselbstmord vor wenigen Monaten

Erst im September vergangenen Jahres hatte sich ein 17-jähriger Gymnasiast nach misslungener Nachprüfung vor einen Zug geworfen.

Der dritte derartige Fall passierte an einer Landwirtschaftsfachschule in Graz, wo sich im vergangenen November eine 15-jährige Schülerin zehn Meter in die Tiefe stürzte. Dieses Mädchen überlebte mit schweren Wirbelsäulenverletzungen und zahlreichen Brüchen.

Das Begräbnis des Jugendlichen findet am kommenden Montag statt.(APA)