Davos - Für die Durchführung des World Economic Forum (WEF) in Davos haben die Schweizer Behörden Sicherheitsvorkehrungen in nie da gewesenem Ausmaß veranlasst. Entsprechend gestiegen sind die Kosten, die dieses Jahr 13,5 Millionen Franken (9,22 Mill. Euro) betragen. Hunderte von Polizisten aus allen Schweizer Kantonen stehen in Davos im Einsatz. Dazu kommen 300 Sicherheitsbeauftragte, die Grenzwache und 1.500 Armeeangehörige im Assistenzdienst. Das gesamte Sicherheitspersonal übersteigt die Zahl von rund 2.000 Forumsteilnehmern.

Zudem hat die Schweizer Regierung den Luftraum über Davos zur Sperrzone erklärt. Über einen allfälligen Waffeneinsatz gegen unbefugte Eindringlinge entscheiden Verteidigungsminister Samuel Schmid oder der Kommandant der Luftwaffe. Die Vorkehrungen reichen weit über Davos hinaus. In Zürich oder Bern stehen Polizeibeamte in Alarmbereitschaft, um am Tag der Anti-WEF-Demonstration vom 25. Jänner für gewalttätige Nachdemonstrationen gewappnet zu sein.

Massiv gestiegen sind die Sicherheitskosten. 1998, im letzten Jahr ohne Demonstration, betrugen sie 270.500 Franken. Die 13,5 Millionen Franken für dieses Jahr sind rund 50 Mal höher. Der für die Sicherheit zuständige Regierungschef von Graubünden, Stefan Engler, weiß um die sich drehende Kostenspirale, die nicht nur in seinem Kanton zunehmend auf Kritik stößt. Zumal vor allem die Davoser Bevölkerung schon vor dem WEF in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist. Nach dem WEF stelle sich die Frage, wie viel sich die öffentliche Hand die Durchführung eines internationalen Kongresses kosten lassen wolle, sagt Engler. Auch der Verteilschlüssel wird zur Diskussion gestellt, nach dem der Bund und der Kanton Graubünden je drei Achtel, die Gemeinde Davos und das WEF je ein Achtel der Sicherheitskosten übernehmen.

Erstmals Demonstration bewilligt

Das Weltwirtschaftsforum 2003 unterscheidet sich nicht nur beim Sicherheitsaufwand von früheren Jahrestreffen. Erstmals haben die Behörden eine Demonstration bewilligt. Verändert hat sich nach dem 11. September 2001 auch die weltpolitische Lage, die nach Ansicht von Engler "erhöhte Wachsamkeit überall" und eine Ausrichtung auf einen "worst case" erfordert. Die Behörden haben vier Risikofelder analysiert: Personenschutz, Terroranschläge, Sabotage und Ausschreitungen bei der Demonstration. Für Terrorattacken und Anschläge auf politische Persönlichkeiten bestehen laut Engler zum "heutigen Zeitpunkt keine Anhaltspunkte".

Als wahrscheinlicher gelten Sabotageakte auf Infrastrukturanlagen, wie sie in den vergangenen Jahren vorkamen, oder Ausschreitungen bei der Anti-WEF-Demonstration. Die Sicherung der Infrastruktur in Davos und Umgebung ist Sache des Festungswachtkorps beziehungsweise der Armee. Die Armee, die für das WEF eine große Menge Material bereitstellt, werde die Anlagen außerhalb von Davos bewachen und Zugänge kontrollieren, sagt Daniel Reist, Informationschef beim Festungswachtkorps.

Der Ordnungsdienst obliegt den Polizeikräften, die auch auf Hilfe aus dem Ausland zählen können. Die deutschen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg haben 50 Polizeibeamte und fünf Wasserwerfer als Reserve zur Verfügung gestellt. Die Polizeikontrollen auf den Zufahrtsrouten nach Davos wollen die Behörden zügig abwickeln. Dabei geht es darum, dass keine gefährlichen Gegenstände zur Demonstration nach Davos gebracht werden. Umfassende Identitätskontrollen sind nicht geplant.

Um die Gefahr von Ausschreitungen zu verhindern, wurden gegen über 100 gewaltbereite Ausländer Einreisesperren verhängt. Zudem dürfen etwa 50 Personen nicht zur Kundgebung nach Davos fahren, weil sie mehrmals wegen Teilnahme an Ausschreitungen in der Schweiz strafrechtlich verurteilt wurden. (APA/sda)