Wien - Traurige Kinder, in seltenen tragischen Fällen bis hin zum Selbstmord: Oft stecken Depressionen dahinter.

Erste Selbstmorde bereits im Vorschulalter

Bis zu 2,5 Prozent der Kinder und bis zu 8,3 Prozent der Jugendlichen leiden an dieser Krankheit. Sogar schon Kleinkinder im Alter zwischen ein und drei Jahren können davon befallen sein. Suizide kommen auch im Alter von zehn Jahren vor. Mit dem Schulalter sprechen die Kinder laut Univ.-Prof. Dr. Max Friedrich, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters, erstmals über ihre krankhafte "Traurigkeit". Er hat vor einigen Jahren 122 Selbstmorde bei Kindern analysiert.

Selbstmordmonate - Februar und Juni

Eine von der Frau des Kinderpsychiaters und diesem selbst durchgeführte Untersuchung von 122 Fällen von Selbstmorden im Kindesalter in einem Zeitraum von zehn Jahren brachte folgende Kennzeichen zu Tage: Am häufigsten erfolgten Selbstmordhandlungen im Februar und im Juni. Das dürfte auf eine Verbindung zum Schulstress hindeuten. Buben erhängten oder erschossen sich oft, Mädchen tendieren zu Selbstmord mit Medikamenten oder zum Sprung in die Tiefe.

Symptome bei Kindern und Senioren werden selten erkannt

Kinder sind mit solchen Leiden oft schlichtweg benachteiligt. Während Depressionen bei Menschen im mittleren Lebensalter zumeist erkannt und behandelt werden, gibt es zwei Gruppen, bei denen solche Symptome oft übersehen werden: Kinder und Senioren. So leiden ein bis zwei Drittel der hoch Betagten unter Depressionen. Doch laut Untersuchungen werden bei zwei Drittel der Betroffenen die Symptome nicht als psychische Störung erkannt. Nur fünf Prozent werden behandelt.

Häufigkeit von Depressionen bei Kindern

Die Häufigkeit von Depressionen bei Kindern: 0,4 Prozent bis 2,5 Prozent zeigen Depressionen mit lang anhaltenden Verstimmungen, Freudlosigkeit, Interessenverlust, Antriebsverminderung, verstärkter Ermüdbarkeit, konstanter "Traurigkeit", Schlafstörungen etc. Bei den Jugendlichen sind es dann schon 0,4 bis 8,3 Prozent.

Während der Pubertät steigt die Häufigkeit an Während der Pubertät steigt die Häufigkeit der Erkrankung bereits auf jene bei den Erwachsenen an. Im Laufe des Jugendalters erkranken bereits 15 bis 20 Prozent der Jugendlichen an einer Depression. Das ist vergleichbar mit der Häufigkeit im Rahmen der Lebenszeit von Erwachsenen. Das könnte sogar darauf hinweisen, dass die meisten Depressionen bereits im Jugendalter beginnen, erklärte der Klinikchef vor kurzem bei einer wissenschaftlichen Tagung am Wiener AKH.

Frauen leiden häufiger als Männer

Bekannt ist auch, dass Frauen häufiger an Depressionen leiden als Männer. Auch dieses Ungleichgewicht im Erwachsenenalter bildet sich bereits in der Jugend heraus. Während laut Friedrich die Geschlechtsverteilung von Buben zu Mädchen mit eins zu eins gleich ist, verändert sich bei den Jugendlichen die Relation in Richtung der Erwachsenenverteilung: zwei zu eins von Frauen zu Männern unter den Depressiven. (APA)