Paris - Bei der Explosion einer Chemiefabrik im südfranzösischen Toulouse, die im September 2001 insgesamt 30 Todesopfer und mehr als 2.000 Verletzte gefordert hatte, könnte es sich um einen Terroranschlag gehandelt haben. Wie das Wochenmagazin "L'Express" in seiner am Donnerstag erschienenen Ausgabe berichtet, habe Untersuchungsrichter Thierry Perriquet beschlossen, diese zuvor ausgeschlossene Möglichkeit nun wieder zu berücksichtigen. Die Experten hätten nämlich große Schwierigkeiten, die These eines "Chemie-Unfalles" zu beweisen, so die Zeitschrift.

Unter dem Titel "Sieben Gründe, nicht mehr an einen Unfall zu glauben" befasst sich "L'Express" mit den zahlreichen Schattenseiten in der Affäre. So hätten mehrere Terrorgruppen für die Explosion verantwortlich gezeichnet, es seien in Bezug auf die anwesenden Personen zwei Leichen zuviel aufgefunden worden, 21 Kilogramm "Chrom 6" seien unter ungeklärten Umständen verschwunden. Auch habe man ärztliche Expertisen und einen Polizeibericht, die auf eine Terrorspur hinwiesen, bisher bei den Ermittlungen nicht berücksichtigt, schreibt "L'Express".

Alibi nicht überprüft

Weiters sei das Alibi eines Angestellten, der zunächst verdächtigt worden war, die Explosion verursacht zu haben, nicht überprüft worden. Ein weiterer Angestellter algerischer Herkunft habe ein "verdächtiges Profil". Bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung des Mannes hätten die Sicherheitsbehörden einen Kostenvoranschlag von 120.000 Franc (18.294 Euro) für den Ankauf von Chemie-Büchern und Spuren einer Überweisung aus New York aufgefunden, will "L'Express" wissen.

Zu Beginn der Gerichtsermittlungen hatte der Staatsanwalt von Toulouse, Michel Breard, betont, dass es sich bei der Explosion mit einer Wahrscheinlichkeit von "99 Prozent" um einen Unfall gehandelt habe. Ein im vergangenen Juni vorgelegter Expertenbericht gelangte zu dem Schluss, dass das in der Fabrik gelagerte Ammonium-Nitrat mit Spuren von zuvor am selben Ort gelagerten Chlor-Verbindungen reagiert habe. Dadurch sei es zur Explosion von rund 300 Tonnen Nitrat-Verbindungen gekommen. Bei einer Rekonstruktion des Unfalls im vergangenen Oktober konnte dieser ursächliche Zusammenhang allerdings nicht bewiesen werden. Fabrikinhaber TotalFinaElf hatte die Schlussfolgerungen der Experten stets als unbegründet zurückgewiesen. (APA)