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Andreotti vor Gericht

Foto: aPA/ANSA/Zennaro

Palermo - Italiens siebenfachem Regierungschef Giulio Andreotti sind am Donnerstag vom abtrünnigen Mafia-Kronzeugen Antonino Giuffre enge Kontakte zur sizilianischen Cosa Nostra vorgeworfen worden. In Mafia-Kreisen sei öfters über Treffen zwischen Andreotti und dem Mafia-Paten Stefano Bontade die Rede gewesen, berichtete Giuffre, der seit seiner Festnahme im vergangenem April mit den Staatsanwälten in Palermo zusammenarbeitet. Im Palermo läuft gegen den 82-jährigen Andreotti ein Prozess wegen mutmaßlicher Mafia-Verbindungen.

Laut Giuffre hatte Andreotti auch Kontakte zum einflussreichen Mafia-Boss Nino Salvo in den 80er Jahren. "Salvo wollte von Andreotti Hilfe, weil der Druck der Staatsanwälte und der Polizei zu stark geworden war", berichtete Giuffre.

Der "Pate" Giuffre gilt als enger Vertrauter der höchsten Bosse der Cosa Nostra, dem sizilianischen Arm der Mafia. Er hatte erst kürzlich mit seiner Behauptung für Schlagzeilen gesorgt, Regierungschef Silvio Berlusconi habe früher "direkte Kontakte" mit der Mafia unterhalten. Die Mafia hatte nach den Worten Giuffres bei Wahlen die Kandidaten des Berlusconi-Bündnisses unterstützt. Dafür erwarte sie als Gegenleistung etwa Hafterleichterungen für einsitzende Bosse.

Andreotti hatte die Zusammenarbeit mit der Mafia stets kategorisch bestritten. Er war im November von einem Berufungsgericht in Perugia zu 24 Jahren Haft verurteilt worden, weil er 1979 die Ermordung eines Journalisten durch die Mafia angeordnet haben soll. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Das Ende des Mafia-Prozesses gegen Andreotti in Palermo ist nicht vor nächstem Sommer zu erwarten. Zugleich wollen Andreottis Rechtsanwälte beim Kassationsgericht in Rom Berufung gegen das Urteil des Schwurgerichts von Perugia einreichen. Die Rechtsanwälte des Senators befürchten, dass das Urteil der Richter von Perugia auch das Schwurgericht in Palermo beeinflussen könnte. (APA)