Wien - Mit dem niederösterreichischen Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment (SBOE) bekommt die Wiener Börse schon in den nächsten Monaten nach der Technologie-Firma TopCall einen weiteren "Heimkehrer" aus Brüssel. Wegen des illiquiden Handels an der Nasdaq Europe will SBOE noch im ersten Halbjahr 2003 nach Wien wechseln. "Wir sind mit der Entwicklung der Aktie in der Vergangenheit nicht zufrieden gewesen", sagte SBOE-Chef Gerald Grohmann am Donnerstag vor Journalisten.

Die Wiener Börse hat bei einem "Beauty-Contest", bei dem im Vorjahr Alternativen geprüft wurden, das Rennen gemacht. Grohmann zufolge waren auch der US-Aktienmarkt sowie die Börsen Frankfurt und London ins Auge gefasst worden.

Kein Termin für den Börsenwechsel

Einen konkreten Termin für den Börsenwechsel gibt es noch nicht. Die Kosten für die Umlistung bezifferte Grohmann mit rund 100.000 Euro. Von einem Listing in Wien verspricht er sich vor allem eine höhere Liquidität, einen "fairen Kurs", der den Unternehmenswert widerspiegelt, sowie eine bessere mediale Präsenz. Zurzeit notiert die Aktie rund 10 Prozent über dem Ausgabekurs von 7,5 Euro.

Starten wird SBOE im marktbreiten Segment Prime Market, dort werden fortlaufend Kurse erstellt (Fließhandel). Den Streubesitz von 35 bis 38 Prozent - SBOE steht mehrheitlich im Besitz der Berndorf AG des heimischen Industriellen Norbert Zimmermann - bezeichnete Grohmann als "ausreichend für einen vernünftigen Handel". Im Umlauf sind derzeit insgesamt 13 Millionen Stück Aktien.

Parallel gelistet

Für eine "gewisse Zeit", so Grohmann, werde SBOE parallel gelistet sein - also neben Wien vorerst auch an der Brüsseler Wachstumsbörse. Der Zeitraum dieses Dual-Listings sei offen, abhängig sei das vom Prozedere an der Nasdaq Europe.

"Mit unseren Unternehmensdaten könnten wir künftig zu einem weiteren Blue Chip an der Wiener Börse werden", so Grohmann. Eine Berücksichtigung im Leitindex ATX (Austrian Traded Index) sei zwar ein Thema, aber nicht gleich. Grohmann: "Zunächst wollen wir einmal abwarten, wie sich das Handelsvolumen entwickelt."

SBOE ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei Hochpräzisionsteilen für die Ölfeld-Ausrüstungsindustrie. Beliefert werden vor allem Großkunden wie Schlumberger, Baker Hughes und Halliburton. Das Hauptgeschäft läuft in den USA. SBOE beschäftigt weltweit 852 Mitarbeiter (per Ende 2002), davon derzeit 212 im Stammwerk Ternitz in Niederösterreich und 324 in Houston im US-Bundesstaat Texas.

Verhaltener Ausblick

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2002 hat auch Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment (SBOE) die globale Konjunkturschwäche zu spüren bekommen. Nach vorläufigen Zahlen lagen Umsatz und Gewinn deutlich unter dem Rekordjahr 2001. Vorstandschef Gerald Grohmann sprach am Donnerstag dennoch von einem "guten Normaljahr" - nach den von einer überhitzten Ölfeld-Konjunktur gekennzeichneten Jahren 2000 und vor allem 2001.

Das Betriebsergebnis (EBIT) fiel im vergangenen Jahr von 36,6 auf rund 24 Mio. Euro zurück, die Umsätze schrumpften von 216,5 auf rund 178 Mio. Euro. Als EBIT-Marge für 2002 nannte Grohmann 13,5 Prozent, damit sei man über dem langjährigen Durchschnitt von 11,9 Prozent gelegen. Endgültige Geschäftszahlen werden am 27. März im Rahmen einer Bilanzpressekonferenz bekannt gegeben.

(APA)