Peking - Die USA machen sich bei der Lösung des Atomstreits mit Nordkorea auf einen "sehr langwierigen Prozess" gefasst. Der für die Region zuständige Unterstaatssekretär im US-Außenministerium, James Kelly, sagte am Donnerstag in Peking, es gehe nicht um "Sofortlösungen für sehr komplizierte Probleme". Die südkoreanischen Streitkräfte bereiteten sich angesichts des Konflikts unterdessen auf einen Krieg vor.

Man müsse miteinander reden und arbeiten "und mit anderen kommunizieren, und das auch sehr, sehr klar mit Nordkorea", sagte Kelly bei seinem dritten Chinabesuch innerhalb eines Vierteljahrs. Die internationale Gemeinschaft sei sich über das Ziel einig: "Wir stimmen alle dem Ziel zu - dass die koreanische Halbinsel frei von Atomwaffen sein muss." Nach Abschluss seiner Pekinger Gespräche reiste Kelly nach Singapur weiter. Am Freitag wurde er zum Abschluss seines Asienbesuchs in Indonesien und Japan erwartet.

Der südkoreanische Verteidigungsminister Lee Jun sagte laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Yonhap vom Donnerstag, ohne friedliche Lösung sei ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel unvermeidlich. "Unsere Streitkräfte bereiten sich für denn schlimmsten Fall vor", sagte Lee in einer Parlamentsanhörung.

Angriff wahrscheinlich

Die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass Nordkorea den Süden angreife, wenn das Land eine Atombombe baue, erklärte der Minister. Das sei zwar nicht zwangsläufig, "aber wir können die Möglichkeit auch nicht ausschließen," fügte er hinzu. Die Regierung in Pjöngjang hat Anfang des Jahres den Atomwaffensperrvertrag und damit die Kontrollen bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie seitens der IAEA aufgekündigt.

Nordkorea schlug dem Süden unterdessen eine neue Gesprächsrunde über den Bau von Bahnverbindungen und Straßen über die gemeinsame Grenze vor. Das Treffen soll dem Vorschlag zufolge in der kommenden Woche von Mittwoch bis Samstag in Pjöngjang stattfinden, sagte ein Sprecher des südkoreanischen Wiedervereinigungsministeriums, Kim Jong Ro, am Donnerstag. Die Regierung in Seoul reagierte zunächst nicht auf den Vorschlag. Regierungsvertreter beider Seiten wollen ebenfalls kommende Woche zu Gesprächen zusammenkommen, bei denen es unter anderem auch um den Atomstreit gehen soll. Außerdem treffen sich Rot-Kreuz-Vertreter zu dreitägigen Verhandlungen über neue Familienzusammenführungen.

Wolfensohn hofft auf baldige Beilegung des Atomstreits

Weltbankpräsident James Wolfensohn äußerte die Hoffnung auf eine baldige Beilegung der Krise, damit neue Hilfsanstrengungen für Nordkorea unternommen werden könnten. Das Land sei in höchstem Maße auf Unterstützung angewiesen, sagte Wolfensohn bei einem Besuch in Tokio am Donnerstag. Nordkorea erhält Hilfen von den Vereinten Nationen, ist jedoch kein Mitglied der Weltbank.

Im vergangenen Jahr flohen nach Angaben Südkoreas 1.141 Menschen von Nordkorea in den Süden der Halbinsel. Das waren fast doppelt so viele wie ein Jahr zuvor, wie das Wiedervereinigungsministerium mitteilte. Es sei zu erwarten, dass die Zahl der Flüchtlinge in diesem Jahr noch einmal steige, wenn auch langsamer. 2001 waren 583 Nordkoreaner nach Südkorea geflüchtet, 2000 waren es 312. (APA/AP)