Moskau/Peking - Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) hat Nordkorea im Streit um sein Nuklearprogramm Erpressung vorgeworfen. Die Regierung in Pjöngjang übe Druck auf die internationale Gemeinschaft aus, um ihre Sicherheits- und Versorgungsprobleme zu lösen, sagte IAEO-Generaldirektor Mohamed ElBaradei am Donnerstag in Moskau. Die USA erklärten unterdessen, sie machten sich bei der Lösung des Atomkonflikts mit Nordkorea auf einen "sehr langwierigen Prozess" gefasst.

Dialog sieht anders aus

"Nordkorea muss begreifen, dass eine Politik des äußersten Risikos und der Erpressung nicht zum Dialog führen kann", sagte ElBaradei auf einer Pressekonferenz. Er rief Pjöngjang auf, die Entscheidung zum Ausstieg aus dem Atomwaffensperrvertrag rückgängig zu machen und die Waffeninspektoren der IAEO zurück ins Land zu lassen. Zugleich äußerte sich ElBaradei jedoch zuversichtlich über eine friedliche Beilegung des Konflikts.

Der für die Region zuständige Unterstaatssekretär im US-Außenministerium, James Kelly, sagte am Donnerstag in Peking, es gehe nicht um "Sofortlösungen für sehr komplizierte Probleme". Man müsse miteinander reden und arbeiten "und mit anderen kommunizieren, und das auch sehr, sehr klar mit Nordkorea". Die internationale Gemeinschaft sei sich über das Ziel einig, sagte Kelly: "Wir stimmen alle dem Ziel zu - dass die koreanische Halbinsel frei von Atomwaffen sein muss." Nach Abschluss seiner Pekinger Gespräche reiste Kelly nach Singapur weiter. Am Freitag wurde er zum Abschluss seines Asienbesuchs in Indonesien und Japan erwartet.

Nordkorea schlug dem Süden unterdessen eine neue Gesprächsrunde über den Bau von Bahnverbindungen und Straßen über die gemeinsame Grenze vor. Das Treffen soll dem Vorschlag zufolge in der kommenden Woche in Pjöngjang stattfinden, sagte ein Sprecher des südkoreanischen Wiedervereinigungsministeriums. Die Regierung in Seoul reagierte zunächst nicht auf den Vorschlag. Regierungsvertreter beider Seiten wollen ebenfalls kommende Woche zu Gesprächen zusammenkommen, bei denen es unter anderem auch um den Atomstreit gehen soll. Außerdem treffen sich Rot-Kreuz-Vertreter zu dreitägigen Verhandlungen über neue Familienzusammenführungen. (APA/AP)