Ein möglicherweise folgenreicher Fehler könnte dem scheidenden Chefredakteur Hans Dichand bei seiner wohl vorbereiteten Dienstübergabe an Sohn Christoph passiert sein: Das aus Zeiten der Auseinandersetzung mit Kurt Falk stammende Redakteursstatut der "Kronen Zeitung" besagt, dass ein etwaiger neuer Chefredakteur der Vollversammlung der Redakteure vorgeschlagen und besprochen werden muss. Und von dieser mit einfacher Mehrheit abgelehnt werden kann.

Selbiges ist nach STANDARD-Informationen bis dato noch nicht erfolgt. Ob sich die Belegschaft freilich gegen ihren "Patriarchen" zur Wehr setzen wird, ist mehr als fraglich.

Viel eher droht Widerstand vonseiten des 50-Prozent- Partners, dem Essener WAZ- Konzern. Sowohl WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach als auch Gesellschafter Erich Schumann hätten Christoph Dichands Bestellung abgelehnt, bestätigte Hans Dichand dem STANDARD, aber: "Wir (Familie Dichand, Anm.) sind die Opposition. Ich glaube, wir sind im Recht, wie es in den Verträgen steht." Sein Sohn werde am 1. Februar als Chefredakteur beginnen, und "wenn sie was dagegen haben, dann müssen sie klagen", sagte Dichand senior in Richtung der WAZ-Leute (Anm. zum Artikel Dichand-Nachfolge: WAZ hat rechtliche Schritte eingeleitet).

Schwierigkeiten bei der Übergabe sehen auch Medienbeobachter: "Das lässt sich niemand gern wegnehmen", urteilt Falter-Chefredakteur Armin Thurnher: "Ich nehme an, dass Dichand - nachdem er Österreich als gütiger Monarch beherrscht - auch die Erbfolge als natürliches Recht betrachtet."

Selbst die familieninterne Ablöse berge Konfliktpotenzial, glaubt Kommunikationswissenschafter Wolfgang Langenbucher: "Es geht nur gut, wenn der Sohn schwach ist." Ein Aufbegehren dagegen würde zum Krach führen.

An einen totalen Rückzug glaubt ohnehin niemand. Ein Büro ohne Hans Dichand ist für Langenbucher schwer vorstellbar. Dass der Vater dem Sohn den Schreibtisch überlässt? "Ich denke, der Alte wird dort sitzen bleiben", meint Langenbucher.

"Weniger machtversessen" stellt sich indes Thurnher eine "neue" "Kronen Zeitung", ins gleiche Horn stößt Langenbucher: Er hegt "große Hoffnung, wenn die alte Garde endlich abtritt" und träumt "von einer modernen Zeitung". (Doris Priesching, Thomas Mayer/DER STANDARD, Printausgabe, 17.1.2003)