Kaum ein Bereich präsentiert sich so reformresistent wie die Schule. Zu stark ist die Lobby der Lehrerschaft. Doch am zementierten, überbürokratischen und trotz aller "Objektivierung" schwer politisierten System leiden die Pädagogen an der "Basis" letztlich selbst. Nun gibt es einen neuen Anlauf, das Schulwesen, wenn schon nicht inhaltlich, so doch wenigstens organisatorisch umzukrempeln. Diskutiert wird die Abschaffung der Landes- und Bezirksschulräte sowie deren politische Kollegien. Das Budget für den Pflichtschullehrerbereich könnte den Ländern überantwortet werden, was deren Anti-Wien-Populismus deutlich erschweren würde.

Das alles ist als erster Schritt richtig. Wirklich zukunftsweisend wird er aber nur in Verbindung mit einer tatsächlichen Schulautonomie. Direktoren - am besten solche auf Zeit - sollten bei Lehrerbestellungen sowie -abberufungen viel mehr Mitspracherecht erhalten. Dass das Schulwesen "Problemlehrer" nie wieder los wird, fällt schließlich nicht nur den Schülern, sondern auch den Pädagogen (als Imageproblem) auf den Kopf.

Weiters müsste man sich anschauen, warum Österreich personell vergleichsweise luxuriös ausgestattete Schulen, aber nur einen durchschnittlichen Wissens-Output aufweist. Eine Frage, die die SPÖ zu Recht stellt. Natürlich ist es absurd, dass hierzulande noch immer nicht flächendeckend ganztägige Schulen zur Verfügung stehen und das teuerste Personal - die Lehrer - für administrative Tätigkeiten eingesetzt wird. Landkarten einrollen müssten billigere Arbeitskräfte erledigen. Eigentlich sind das alles alte Hüte, seit Jahrzehnten diskutiert. Vielleicht ringen sich ÖVP und SPÖ jetzt durch, diese Themen gemeinsam anzugehen. Denn große Schulreformen werden wohl weiterhin im Nationalrat an eine Zweidrittelmehrheit gebunden sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.1.2003)