Cape Canaveral - Die Sicherheitsmaßnahmen um den am Donnerstag erfolgten Start der Columbia-Raumfähre galten diesmal besonders dem ersten israelischen Astronauten, Ilian Ramon. Immerhin nahm der inzwischen 48-jährige Militäroffizier schon am Jom-Kippur-Krieg 1973 und an der Invasion im Libanon 1982 teil. Also wurden am Cape Canaveral auch Luftabwehrraketen stationiert, um gegen Terroranschläge gewappnet zu sein.

Friedlicher Art dagegen waren die anderen erstmals aufgetretenen Probleme um Ramons Reise in den Orbit. Er fühlt sich der jüdischen Kultur verpflichtet und will auch während der 16 Tage im All nicht auf die Einhaltung der religiösen Gesetze verzichten.

Die Ernährungsfrage war noch relativ leicht zu regeln: "Ich habe bei der Nasa angefragt, ob es möglich wäre, mir koschere Nahrung mit ins All zu geben", erzählte Ramon. Die Weltraumbehörde stellte sie ihm zusammen. Ramon: "Ich war wirklich überrascht und beeindruckt, wie sich die Nasa bemüht hat."

Was die Nasa nicht klären konnte, war die Sabbat-Frage: Von Freitagabend bis Samstagabend verzichten strenggläubige Juden auf körperliche Arbeit - im Spaceshuttle Columbia ein Dilemma kosmischen Ausmaßes: Wann denn soll der Sabbat gefeiert werden, wenn innerhalb von 24 Stunden 16-mal die Sonne auf- und untergeht?

90-Minuten-Tag

In der Columbia dauert ein Weltall-Tag inklusive Erdumrundung lediglich 90 Minuten. Streng religiös genommen müsste Ramon an jedem siebenten "Tag", also alle zehneinhalb Stunden, eine Sabbat-Ruhe einlegen - das lässt der harte Astronauten-Alltag aber nicht zu.

Ramon bat deshalb einen angesehenen jüdischen Religionsgelehrten um Rat, Rabbi Zvi Konikov. Der rief einen Zirkel von Religionsexperten zusammen, und schließlich erkannten die weisen Männer unter seiner Leitung: Ramon darf sich bei seinem Sabbat an die irdischen Zeiten halten.

Für den historischen Urteilsspruch war Konikov vermutlich schon aus geografischen Gründen prädestiniert: Er ist Rabbiner der Gemeinde Satellite Beach an Floridas Raumfahrt-Küste. (AFP, red, DER STANDARD, Print, 17.01.2003)