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Foto: APA/EPA/Rhona Wise

Witten/Herdecke - Viele Ärzte verordnen zu häufig und zu schnell Antibiotika gegen Mittelohrentzündungen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Universität Witten/Herdecke. Die Mediziner fanden keine Beweise dafür, dass Antibiotika die so genannte Otitis media heilen können.

Zwar könnten sie die Krankheitsdauer etwas verkürzen, allerdings häufig zum Preis ungewollter und unangenehmer Nebenwirkungen. Wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen sei es, dass in Deutschland nahezu alle Patienten mit Antibiotika behandelt würden, während es etwa in den Niederlanden nur 31 Prozent seien.

Mittelohrentzündungen werden in 60 Prozent der Fälle von Bakterien ausgelöst und in 40 Prozent der Fälle von Viren. Als Folge des schmerzhaften Abwehrkampfes des Körpers gegen die Erreger kommt es zur Rötung, Erwärmung und Schwellung von Haut und Schleimhaut. Auch der Gang, der Mittelohr und Rachen miteinander verbindet, kann dabei derart zuschwellen, dass Flüssigkeit und Schleim nicht mehr abfließen und sich im Mittelohr sammeln. Wird dort der Druck zu groß, kann sich im Trommelfell ein Riss bilden, und die entzündliche Flüssigkeit läuft nach außen ab. Meist lassen die Schmerzen dann deutlich nach, und der Riss wächst problemlos wieder zu.

Verschreibepraxis ändern

Die Wissenschafter aus Witten/Herdecke prüften die bekanntesten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden der Otitis nach strengen medizinischen Maßstäben. Ergebnis: "Es gibt jetzt gute und vor allem wissenschaftliche belegbare Gründe, bei Mittelohrentzündungen die Verschreibepraxis zu ändern", sagt der Internist Nik Konecny.

Auch der Kinderarzt Stefan Schmidt-Troschke vom Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke betont: "Die hier zu Lande übliche Verordnung von Antibiotika bei einer Mittelohrentzündung ist in Zukunft sicher seltener gerechtfertigt als bisher." Ohnehin können Antibiotika nur bakterielle und nicht virale Infektionen bekämpfen. (APA/AP)