Klagenfurt - Trübe Stimmung herrscht bei Kärntens Industriebetrieben. Die Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung ergab, dass das Investitionsklima "miserabel ist", wie IV-Präsident Otmar Petschnig am Freitag erklärte. Derzeit gebe es demnach auch kaum Aussicht auf Besserung, eine Trendwende sei frühestens in sechs Monaten zu erwarten. Besonders negativ ist die Entwicklung in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie.

Das kurze Zwischenhoch im Sommer des vergangenen Jahres habe sich als trügerisch erwiesen, sagte Petschnig bei einem Pressegespräch in Klagenfurt. Bereits seit September 2002 gehe es wieder "deutlich bergab". Petschnig: "Gleich 21 Prozent der Betriebe wollen Beschäftigte abbauen, gerade noch zehn Prozent wollen neue Mitarbeiter einstellen." Dies zeige, dass der Rationalisierungsdruck enorm sei. Die Kärntner Industrie sei in hohem Maße exportabhängig und könne sich daher von der internationalen Entwicklung nicht abkoppeln.

Besonders schlecht ist die Stimmung laut Petschnig in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. 70 Prozent der Betriebe würden sinkende Aufträge melden, so Petschnig. Krisengeschüttelt sind auch die Metallindustrie und die lederverarbeitende Industrie. Die einzige Branche, in der die Indikatoren nach oben weisen, ist derzeit die holzverarbeitende Industrie. "Da gibt es ein Plus sowohl beim Volumen als auch bei den Aufträgen", sagte Petschnig.

70 bis 80 Prozent der Kärntner Industriebetriebe hätten sich an der Konjunkturumfrage beteiligt, davon beurteilten 18 Prozent die Geschäftslage als gut. Die Ertragssituation bewerteten gar nur zwölf Prozent als gut, und lediglich neun Prozent rechnen mit steigenden Verkaufspreisen in den nächsten drei Monaten.

Zu der schlechten Konjunkturlage kämen auch noch hausgemachte Probleme hinzu, kritisierte Petschnig. Zum Einen sei es für den Wirtschaftsstandort Kärnten eine Katastrophe, wenn die AUA die Spätverbindung von Wien nach Klagenfurt streiche. Petschnig: "Wir brauchen diesen Abendanschluss unbedingt." Zum Anderen forderte der IV-Präsident Verfahrenssicherheit ein. Vorgänge wie der "willkürlich verfügte" Verfahrensstopp für die Austrian Thermal Power durch Landeshauptmann Jörg Haider seien abschreckend für Investoren. Petschnig: "So kann es ja nicht sein, dass in einem österreichischen Bundesland willkürlich in ein Verfahren eingegriffen wird und einfach ein neuer Faktor eingefügt wird, der gar nicht vorgesehen war wie hier eine Volksbefragung." Die Firma stehe bei solchen Vorgängen plötzlich vor den Trümmern ihrer Planung, das dürfe es nicht geben. (APA)